Berlin : Das neue Berlin lockt - Boom bei den Besucher-Zahlen

BERLIN .Zehntausende Besucher aus aller Welt zieht es täglich in die Hauptstadt und zu den neuen Attraktionen wie Reichstag und Potsdamer Platz.Für dieses Jahr rechnet die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) mit einem Zuwachs von 700 000 Übernachtungen.Durch den Regierungsumzug werden außerdem 500 000 zusätzliche Polit-Gäste erwartet.Die Kehrseite des Erfolgs: Die Tourismus-Werber der Stadt sind von dem riesigen Interesse völlig überfordert.Es gibt so viele Anfragen in den Informationsbüros und der Telefonzentrale, daß das Geld knapp wird.

"Wir sind an unsere Leistungsgrenzen gestoßen", sagte BTM-Chef Hanns Peter Nerger gestern.Er hält mit seinem 14-Millionen-Etat das zusätzliche Interesse nicht mehr für finanzierbar."Viele Menschen im In- und Ausland sind neugierig auf das neue Gesicht der deutschen Hauptstadt." In den Vereinigten Staaten sei das Interesse so rasant gewachsen, daß dort der Etat um 20 Prozent überzogen wurde.

Dabei informieren sich die Amerikaner nicht nur, sie kommen auch - und füllen die Kassen der Stadt.Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Besucher aus den USA um 14 Prozent, insgesamt kamen 107 000.Zweistellige Zuwächse gab es auch aus vielen europäischen Ländern.Bei sehr vielen der insgesamt 3,6 Millionen Berlin-Besuchern im vergangenen Jahr spielte der Aspekt Hauptstadt/Regierung eine große Rolle.

Die Hoteliers dürfen sich alleine über 200 000 zusätzliche Übernachtungen durch die "Kontingentgäste" freuen.Denn jeder der etwa 640 Nicht-Berliner Bundestagsabgeordneten darf pro Jahr zwei Bus-Ladungen aus seinem Wahlkreis an die Spree einladen.In Bonn galten früher 25 Prozent als Polit-Touristen.

Über eines können sich die Tourismus-Profis allerdings die Hände reiben: Die Werbung für die Stadt hat jetzt das Fernsehen übernommen.Jeder Bericht über den neuen Reichstag locke weit mehr Besucher an, als irgendeine teure Zeitungsanzeige, heißt es.Neben dem Polit-Tourismus sei die Stadt in diesem Jahr auch durch Jubiläen wie "Zehn Jahre Mauerfall" und "50 Jahre Bundesrepublik" sowie die Love-Parade attraktiv für Gäste.

Das steigende Interesse zeigt sich schon an der Häufigkeit des Klingelns der zentralen Reservierungs- und Informationsnummer.Allein in den ersten drei Monaten habe es unter der Nummer 25 00 25 etwa 20 Prozent mehr Anfragen gegeben.Die laufende Woche wird alle davor schlagen.In den ersten drei Tagen dieser Woche riefen 10 000 Menschen bei der BTM an - die meisten wegen des Reichstages.

Auch die Zahl der gebuchten Stadtführungen habe im ersten Quartal um 30 Prozent zugenommen.Prognostiziert wird daneben eine Steigerung der Versandkosten für Broschüren von 700 000 auf eine Million Mark.

Die Tourismus-Marketing GmbH (BTM) fordert nun 800 000 Mark von Land oder Bund, um Berlin auch als Hauptstadt verkaufen zu können."Gibt es kein Geld, schränken wir unseren Service ein", drohte BTM-Chef Nerger gestern.Klar sei aber auch, daß sich die Stadt eigentlich keine Einschränkungen leisten könne.

Tourismusmanager: Längere Ladenöffnung!

Während die eigene Telefonzentrale schon bald den Hörer um 18 Uhr beiseitelegen könnte, fordert die BTM gestern erneut längere Ladenöffnungszeiten."Wir müssen uns an internationale Gepflogenheiten rantasten", sagte Nerger.International gesehen sei Deutschland Schlußlicht.Touristen erwarteten, daß sie auch abends und am Sonntag einkaufen könnten, viele kämen ausschließlich zum Shoppen. Ha

Der Service wird eingeschränkt

Trotz des Touristen-Booms muß die BTM nun aus Geldmangel die Notbremse ziehen.In den Schubladen liegt nach Informationen des Tagesspiegels ein Konzept für den schlimmsten Fall: Alles steht demnach zur Disposition: die Öffnungszeiten der Büros, die Besetzung der Telefonzentrale, der Prospektversand.Beispiel Telefon: Trotz des Massenandrangs könnten die Telefone künftig ab 18 Uhr stumm sein.Derzeit werden Neugierige bis 20 Uhr bedient.Auch beim Prospektversand kapituliert die BTM vor den Kosten: Die Portogebühren steigen in diesem Jahr von 700 000 Mark auf eine Million.Vermutlich wird sich die Tourismus-GmbH in diesem Jahr weniger an Messen beteiligen können.Schon jetzt besetzt die Gesellschaft freigewordene Stellen nicht neu.Von einst 100 Mitarbeitern arbeiten heute nur noch 82 im Büro am Karlsbad.

30 Prozent der Gesellschaft hält das Land Berlin, 40 Prozent der Kreis der derzeit 310 Partnerhotels.Je 10 Prozent halten die Messe, Karstadt und die Investitionsbank Berlin.Der Etat beläuft sich auf 14 Millionen Mark, davon werden mittlerweile 70 Prozent selbst erwirtschaftet.Am 6.Mai ist eine Krisensitzung des Aufsichtsrates angesetzt. Ha

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