• Das neue elektronische Ticket bringt Vorteile für Gelegenheitsfahrer und Nachteile für Dauernutzer

Berlin : Das neue elektronische Ticket bringt Vorteile für Gelegenheitsfahrer und Nachteile für Dauernutzer

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Wer nur gelegentlich mit Bahnen und Bussen fährt, soll es in Zukunft einfacher haben. Für Stammkunden dagegen wird es unbequemer als bisher, wenn ein elektronisches Ticket, "tick.et" genannt, den herkömmlichen Fahrschein ablöst, wie es BVG und S-Bahn GmbH zusammen mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) planen. 25 000 Kunden sollen vom 1. Oktober an das System testen. Eingeführt werden könnte es frühestens Anfang 2002, sagte gestern BVG-Chef Rüdiger vorm Walde.

Die Hürde ist dabei hoch gesetzt. Der Versuch müsse zu einem "Null-Fehler-Projekt" werden, wenn "tick.et" tatsächlich den herkömmlichen Fahrschein ablösen soll, kündigte vorm Walde an. Für den Fahrgast ist das System relativ einfach. Er muss beim Ein- und Aussteigen seinen "geladenen" Fahrschein jeweils an einem Lesegerät berührungslos vorbeiführen. Dabei wird der Fahrpreis abgebucht. Der Chip auf dem "tick.et" muss dafür vorher mit einem Geldbetrag geladen werden. Im Versuch gibt es besondere Geräte; geplant ist, den elektronischen Fahrschein später auch an Geldautomaten der Banken laden zu können.

Beim Einsteigen zieht das gelbe "Start-Gerät" den Höchstbetrag ab, der mit einer Fahrt bis zur Endstation entstehen könnte. Beim Aussteigen ermittelt das blaue "Stop-Gerät dann den exakten Preis und schreibt die Differenz wieder gut. Quittiert wird mit einem Signalton und einer Leuchte. Mit einem Lesegerät können die Fahrgäste den "Kontostand" ihres "tick.ets" überprüfen.

Wer nur selten mit Bahnen und Bussen unterwegs ist und deshalb Probleme hat, die oft schwierigen Tarifbestimmungen zu verstehen, braucht sich darum bei "tick.et" nicht mehr zu kümmern. Das System ermittelt für ihn am Ende der Fahrt den richtigen Preis. Monatskartenbesitzer, die ihre Karte bisher einfach in der Tasche stecken lassen können, müssen mit dem "tick.et" dagegen jedes Mal ebenfalls ihren Fahrschein an den Lesegeräten vorbeiziehen.

Bei den Bussen und Straßenbahnen stehen die Geräte in den Fahrzeugen, bei der S- und U-Bahn werden sie auf den Bahnsteigen installiert. Quittiert werden muss auch jedes Umsteigen, außer innerhalb des S- und U-Bahn-Netzes. Vorm Walde ist trotzdem überzeugt, dass es vor den Geräten keine längeren Wartezeiten geben wird. Das Ablesen soll in 0,3 Sekunden erfolgen.

Verläuft der Test erfolgreich, denkt die BVG daran, bei der U-Bahn auch Sperren einzuführen. Im Test werden sie noch nicht installiert. Den ursprünglichen Plan, sie bereits in diesem Jahr aufzubauen, gab die BVG, wie berichtet, auf. Die S-Bahn will hier nicht mitmachen, kündigte gestern Vertriebsleiter Gerd-Peter Willbrandt an, und auch im Brandenburg werde es solche Sperren nicht geben, sagte Verbundchef Uwe Stindt.

Versuchsstrecken sind die U-Bahn-Linien U 2 und U 4, der Stadtbahn-Abschnitt der S-Bahn zwischen Alexanderplatz und Zoo, die Straßenbahn-Linie 2 (Hackescher Markt-Pasedagplatz) sowie die Buslinien 100 und 348. Die Tester erhalten verbilligte Monatskarten fürs Tarifgebiet AB. Der Versuch kostet 15 Millionen Mark. Eine Umstellung aufs elektronische System wäre nicht teurer als die sonst erforderliche Umrüstung für den Euro, sagte vorm Walde. Die BVG rechnet mit etwa 200 Millionen Mark.

Am Fahrpreis wird sich - zunächst - nichts ändern. Möglich ist es bei dem System aber, jede Fahrt individuell nach der zurückgelegten Länge zu berechnen. Kurze Strecken würden dann billiger, lange teurer als heute. Herkömmliche Monatsmarken zu einem Festpreis könnten wegfallen, dafür gäbe es für Vielfahrer nur noch einen Rabatt.

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