Berlin : Das Opfer wird nie wieder gesund Zwei Angeklagte sollen Afrikaner attackiert haben

Der Zeuge sah einen „Karatesprung“ und hörte kurz darauf einen Knall, den er nie mehr vergessen wird. „Der Mann schlug mit dem Hinterkopf auf den Bahnsteig“, sagte der Augenzeuge gestern vor dem Amtsgericht. Das Opfer war ein 27-jähriger Afrikaner. Mehr als ein Jahr nach dem Angriff schwebt er noch immer in Lebensgefahr. Als mutmaßliche Täter sitzen seit gestern zwei 25 und 27 Jahre alte Männer auf der Anklagebank.

Der Mann aus Burkina Faso war in der Nacht zum 9. Juni letzten Jahres in der U-Bahn-Linie 8 unterwegs. Auf dem Bahnhof Hermannplatz stand er im Türbereich. „Es kam Gebrüll aus dem ersten Wagen“, erinnerte sich der 40-jährige Zeuge. „Komm doch“, habe ein Mann gebrüllt. Die Anklage geht davon aus, dass der Türke Yasar G. den Afrikaner aus dem Wagen zerrte. Beide Angeklagten sollen dann auf das Opfer eingeschlagen haben. Als der Afrikaner fliehen wollte, hätten sie ihn verfolgt. Einer der Angreifer habe dem Schwarzen „aus dem Lauf heraus“ in den Rücken getreten, sagte der Augenzeuge. Den Täter konnte er allerdings nur als „südländischen Typ“ beschreiben. Der Afrikaner erlitt schwerste Kopfverletzungen. Das Schädeldach war geborsten, Blutungen drangen ins Gehirn, sagte eine Neurologin. Er sei dem Tod sehr nah gewesen und werde sich von dem Sturz Zeit Lebens nicht mehr erholen. Er ist zu 80 Prozent gelähmt und müsse über eine Magensonde ernährt werden.

Einer der Angeklagten aus Neukölln verweigerte in dem Prozess um schwere Körperverletzung die Aussage, der andere bestritt die Vorwürfe. Er habe in der fraglichen Nacht in der Nähe des Hermannplatzes Bier getrunken, Karten gespielt und habe sich dann auf den Heimweg gemacht. Von einem ausländerfeindlich motivierten Übergriff wird in dem Verfahren nicht ausgegangen. Vermutlich sei es zu einem Streit gekommen. Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt. K. G.

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