Berlin : Das Pergamonmuseum bröckelt vorerst weiter

Die Sanierungsarbeiten werden voraussichtlich erst 2010 beginnen – ursprünglich sollte Berlins beliebtestes Museum da schon fertig sein

Cay Dobberke

WO BERLIN BAUT: MUSEUMSINSEL, MAHNMAL, ENTWICKLUNGSGEBIETE UND DER MOLKENMARKT

Das Pergamon-Museum auf der Museumsinsel in Mitte ist mit jährlich rund 800000 Besuchern das beliebtesten Museum Berlins – aber die geplante Sanierung kommt nur langsam voran. Als möglichen Baubeginn hat das Bundesfinanzministerium jetzt das Jahr 2010 genannt. Nach dem Masterplan von 1999 hätten die Arbeiten auf der ganzen Museumsinsel zu diesem Zeitpunkt schon beendet sein sollen. Trotzdem hieß es gestern von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), nun sei „der gordische Knoten durchschlagen“. Man könne endlich mit der „aktiven Phase“ der Planung beginnen. Bereits seit dem Sommer stehen Baugerüste in dem 73 Jahre alten Museum mit dem berühmten Pergamonaltar. Doch dabei geht es nur um die Gefahrenabwehr: Experten hatten festgestellt, dass Schweißnähte der stählernen Dachkonstruktion durch Kriegsschäden und mangelhafte Reparaturen „als nicht mehr tragfähig zu bewerten“ seien. Im Juni blieb das Museum zwei Wochen lang komplett gesperrt.

Die Gesamtkosten für den Umbau der Museumsinsel wurden bisher auf eine Milliarde Euro geschätzt, darunter 325 Millionen Euro für das Pergamonmuseum. Doch jetzt haben sich das Bundesfinanzministerium, Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nicht nur auf eine schnelle „komplette Schadenserhebung“ geeinigt. Es sollen auch zwei verschiedene Konzepte für die Museumssanierung erarbeitet werden – darunter eine kostensparende Variante. In zwei Jahren wollen die Beteiligten entscheiden, welche Lösung sinnvoller ist.

Laut Stiftungs-Sprecherin Stefanie Hauer geht es um das „Ausmaß der Eingriffe in die Bausubstanz“. Näheres konnte sie noch nicht sagen. Die detaillierte Bauplanung durch Architekten und Ingenieure soll zwischen 2006 und 2009 folgen.

Die ursprünglich geplante Fertigstellung im Jahr 2010 scheitert nicht zuletzt an Berlins Finanznöten. Bereits 2001 drohte auf der Museumsinsel ein Baustopp. Später stieg der Senat ganz aus der Finanzierung aus. Der Bund sprang ein und übernahm im Hauptstadtkulturvertrag den 50-prozentigen Kostenanteil Berlins. Von neuen Verzögerungen könne aber nicht die Rede sein, sagte SPK-Sprecherin Hauer gestern. Man wisse seit längerem, dass der alte Zeitplan nicht zu halten sei.

Im Rahmen der Sanierung soll das Gebäude einen vierten Flügel erhalten und unter anderem auch das Kalabscha-Tor aus dem Ägyptischen Museum aufnehmen. Eine „Archäologische Promenade“ ist als unterirdischer Besucherrundgang zu den einzelnen Sammlungen gedacht. Haushaltsexperten der Bundestagsfraktionen beurteilen die Situation verschieden. Während die SPD-Abgeordnete Petra Merkel den Planungsbeginn begrüßte, sprach Steffen Kampeter (CDU) von einem „Wortbruch“ der Bundesregierung. Er hatte den Baustart spätestens für 2008 erwartet.

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