Berlin : Das politische Krankenhaus Ausstellung zur Charité

in der geteilten Stadt

von
Klinik im Grenzbereich. Charité-Ausstellung im Abgeordnetenhaus. Foto: Doris Klaas
Klinik im Grenzbereich. Charité-Ausstellung im Abgeordnetenhaus. Foto: Doris Klaas

Wer dieser Tage das Abgeordnetenhaus betritt, sollte ganz genau hinschauen: Die Längsseite der Empfangshalle wird von einem großen dunklen Bild dominiert, das sich erst bei näherem Hinsehen als fotografische Ansicht der Charité entpuppt – aufgenommen während der Teilung der Stadt von West-Berlin aus. Damit ist das Thema der Ausstellung „Die Charité zwischen Ost und West 1945–1992“, die am Mittwoch eröffnet wird, bereits gut umrissen: Es geht um die Geschichte des ältesten Berliner Krankenhauses zu DDR-Zeiten, aber auch um seine Bedeutung für West-Berlin, denn aufgrund der Lage unmittelbar an der Mauer sind viele Charité-Ärzte geflüchtet.

„Wir wollten weniger die medizinische, als vielmehr die politische Geschichte der Charité in dieser Zeit darstellen. Deswegen begrüßen wir es auch, dass die Ausstellung an einem politischen Ort wie dem Abgeordnetenhaus gezeigt werden kann“, sagt Thomas Schnalke, Leiter des Medizinhistorischen Museums der Charité, das die Ausstellung gemeinsam mit den Kuratoren Rainer Herrn und Laura Hottenrott vom Institut für Geschichte der Medizin entworfen hat. Gestaltet wurde sie von Studierenden der Universität der Künste.

In der Wandelhalle im ersten Stock sind Baugerüste aufgebaut – ein Verweis darauf, wie wichtig Baustellen in der Geschichte der Charité immer wieder gewesen sind. 1982 wurde das Bettenhochhaus eröffnet, 80 Prozent der Investitionsmittel für sämtliche Krankenhäuser der DDR flossen in jenen Jahren an die Charité. An den Baugerüsten montiert sind Dokumente und vor allem Fotografien, die den Krankenhausalltag zeigen – so ist etwa ein Narkosegerät mit der lorbeerumrankten Ziffer „1000“ zu sehen, für den tausendsten Patienten.

Das Ministerium für Staatssicherheit hatte die Charité aufgrund der Grenznähe jahrzehntelang fest im Blick. Eine Karte zeigt Fluchtversuche, offiziell „Angriffe auf die Staatsgrenze“ genannt. 26 Zeitzeugen wurden interviewt, darunter nicht nur Professoren, sondern auch Köche und Krankenschwestern. „Ein riskantes Unternehmen“, sagt Schnalke, „denn bei der jüngeren Zeitgeschichte waren natürlich alle dabei – und alle wissen es besser.“ Interessant ist, dass sich manche Aussagen widersprechen. So sagen die einen, es habe keinen politischen Druck gegeben, während andere über permanenten Druck der Partei klagen. Die Interviews kann man anhören – bewerten muss sie jeder selbst. Udo Badelt

Eröffnung am 1. September, 18 Uhr, im Abgeordnetenhaus von Berlin

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben