Berlin : Das Reisetagebuch des Regierenden (6) Klaus Wowereit besucht Mexiko

Heute: Götter neben sich

Ulrich Zawatka-Gerlach

Die Reise nach Mexiko geht zu Ende, doch bevor es soweit ist, will Klaus Wowereit am Freitag die Pyramiden von Teotihuacán besteigen. Der Ort heißt, auf Deutsch übersetzt: „Wo die Menschen zu Göttern werden“. Dem mitreisenden Tross hat er einen schnellen Gipfelsturm angekündigt; mal sehen, ob ihm nicht doch vorzeitig die Luft ausgeht – die hier, fast auf Höhe der Zugspitze, einigermaßen dünn ist. Am Abend zuvor hat Wowereit in Toluca, der dritten Station seiner Fernreise, beim bunten Maskentanz vor der Kirche mitgemacht. In Gegenwart des Wirtschafts- Staatssekretärs der Region, Gabriel Villasenor, der das ganz in Ordnung fand.

Wowereit inmitten der einheimischen Folklore: mit Mariachi-Musikern, mit Sombrero, mit dem Clown-Moderator in Mexiko- Stadt usw. War das in Ordnung? Es fehlte am Ende nur noch das Foto, wo er inmitten von Kakteenbüschen sitzt, die hier prächtig gedeihen. Dem Regierenden Bürgermeister von Berlin machten solche Auftritte aber sichtlich Freude. Warum? Weil er eben so ist.

Die andere, staatstragende Seite der Reise wurde wohl nur in der mexikanischen Presse bebildert. Da erschienen die Fotos mit Bürgermeistern, Gouverneuren, Künstlern und Wirtschaftsleuten, mit denen Wowereit geredet, gegessen, die Städte durchwandert – und dabei lustvoll Berlin repräsentiert hat. Mehrere Fernsehsender, ein Dutzend Zeitungen berichteten ausführlich über seinen Besuch. Was dazu führte, dass ihm auf der Straße nicht nur Reisegruppen aus Deutschland, sondern auch Mexikaner die Hand schütteln wollten.

Auf der langen Fahrt von Guanajuato nach Toluca erzählte Wowereit launig von seinen früheren Reisen. Den dienstlichen und privaten. Wie er zum Beispiel in einem Züricher Restaurant von Tina Turner angesprochen wurde. „Sie sind doch Mister Wowereit?“ So stellt er sich als „Weltbürgermeister“ vom Dienst dar, der mit allen auf Du und Du ist. Und seine Prominenz hat er auch auf dieser Reise genossen; hat die Gastgeber mit schnoddrigem Charme becirct. Am Freitag, vor der Eroberung der Stufenpyramiden, besuchte der Regierende noch die Firma Bosch. Die großen deutschen Unternehmen, von BASF über Daimler und Schering bis zu Volkswagen, sind in Mexiko gut vertreten. Segensreich wirkt die „Kulturstiftung der deutschen Wirtschaft in Mexiko“. Apropos Kultur: Fast hätten wir den Berliner Kultursenator Thomas Flierl vergessen, der Wowereit begleitet hat. Er kam in dieser Woche in den Genuss eines Sonderprogramms und fand „viele neue Anknüpfungspunkte“ zwischen der deutschen und mexikanischen Kultur. Besonders fasziniert haben den PDS- Mann die sozialrevolutionären Wandmalereien, Murales genannt. Flierl kündigte an, in Mexiko künftig die kulturelle Stadtteilarbeit unterstützen zu wollen. Zum Beispiel mit einem privat gesponserten Bibliotheksbus. Ein sichtbares Ergebnis der Reise, so deutete er an, könnte auch eine große Ausstellung „Berlin – Mexiko“ sein, als Retrospektive des 20. Jahrhunderts.

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