Berlin : Das „Rostkreuz“ wird wieder aufgerichtet

Umbau und Erneuerung des Umsteigebahnhofs beschlossene Sache – 10 Aufzüge und 17 Fahrtreppen geplant

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Von Klaus Kurpjuweit

Was lange währt, wird vielleicht doch noch gut. Der seit Jahrzehnten geplante Umbau des Bahnhofs Ostkreuz kommt jetzt voran. Vom 9. September an werden die Pläne öffentlich vorgestellt. Baubeginn könnte 2004 sein. Die Arbeiten werden voraussichtlich nicht vor dem Jahr 2011 beendet sein. Das Projekt wird über 350 Millionen Euro kosten. Ewig kann die Bahn die Arbeiten auch bei Geldmangel nicht hinausschieben, denn die Anlagen erfüllen bald nicht mehr die Sicherheitsanforderungen. Schon lange heißt der Bahnhof intern „Rostkreuz“.

Dabei gehört der Bahnhof zu den wichtigsten im Netz der S-Bahn. Rund 140 000 Fahrgäste steigen hier täglich ein, aus und um. Und das Umsteigen ist besonders beschwerlich. Zur Ringbahn in der oberen Ebene führen nur altersschwache Treppen am Ende des Bahnsteigs. Wer von der Ringbahn Richtung Innenstadt fahren will, muss sich entscheiden, zu welchem der beiden unteren Bahnsteige er geht. Die Züge fahren von beiden Bahnsteigen ab. Wer denn „falschen“ wählt, hat das Nachsehen.

Am Ostkreuz fährt die S-Bahn derzeit auf der Stadtbahn im so genannten Linienbetrieb. Die Bahnen jeder Linie halten in beiden Richtungen am gleichen Bahnsteig. Der Umbau ermöglicht später einen Richtungsbetrieb. Danach halten alle Züge Richtung Innenstadt an einem gemeinsamen Bahnsteig, am anderen stoppen die Bahnen Richtung Osten. Dann weiß auch der Unkundige, wie er am schnellsten zum nächsten Zug kommt.

Doch diese Umstellung ist nur ein Teil des gesamten Projekts. Sowohl an der Ringbahn als auch an der Ost-West-Strecke entsteht ein Bahnsteig für den Regionalverkehr. Dadurch wird der Bahnhof Ostkreuz ein Umsteigeknoten. 10 Aufzüge und 17 Fahrtreppen werden die Bahnsteige miteinander verbinden. Abgebaut wird die Verbindung vom Bahnhof Warschauer Straße zur Ringbahn, und auf der Kurve vom Treptower Park zur Warschauer Straße fahren die Züge ohne Halt am Ostkreuz vorbei.

Markantes Zeichen des neuen Bahnhofs wird die Halle an der Ringbahn sein, die die Gleise der S-Bahn und der Regionalbahn überspannt. 78 Meter wird sie breit und 132 Meter lang sein, lichtdurchflutet durch viel Glas. Hier werden die Arbeiten auch beginnen.

Völlig umgekrempelt wird der Bahnhof jedoch nicht; denkmalgeschützte Teile müssen erhalten oder in alter Form wiederaufgebaut werden. Dazu gehört auch die Fußgängerbrücke auf der Westseite der Station. Stehen bleibt auch der Wasserturm.

Angepasst werden ferner die Straßenverbindungen, wobei die Kynaststraßenbrücke neu gebaut und Richtung Osten verschoben wird. Die Straßenbahngleise werden direkt bis zum Bahnhof geführt. Gebaut wird unter Betrieb. Vollsperrungen soll es nur kurzzeitig geben. Allerdings müssen Fahrgäste baustellenbedingt auch häufiger umsteigen.

Lange hatte es gedauert, bis die Bahn auch bereit war, Platz für zwei Gleise zu lassen, die einmal den Bahnhof Lichtenberg mit dem Ostbahnhof verbinden könnten. Gebaut werden soll auch eine Stützwand für die künftige Verlängerung der Stadtautobahn, die das Ostkreuz in einem Tunnel unterqueren wird. Doch ob diese gebaut wird, ist ähnlich ungewiss, wie es der Baustart am Ostkreuz lange war.

Zu DDR-Zeiten war der Umbau sogar ein Politikum, wie Erich Preuß in dem zusammen mit Andreas Butter und Hans-Joachim Kirsche verfassten Buch „Berlin Ostkreuz“ schreibt. So habe der stellvertretende Verkehrsminister und Leiter der Politischen Verwaltung der Reichsbahn, Günter Grohmann, einmal gesagt: „Wenn für den Umbau des Ostbahnhofs ein Beschluss des Ministerrats notwendig war, brauchen wir für das Ostkreuz den Beschluss des Politbüros“. Dazu ist es nicht gekommen, aber 14 Jahre nach der Einheit könnten die Arbeiten nun 2004 wirklich beginnen.

Die Pläne liegen vom 9. September bis 9. Oktober in den Bezirksämtern Lichtenberg und Friedrichshain-Kreuzberg aus.

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