Berlin : Das Saarland macht Dampf – und Berlin hinkt hinterher

Wirtschaftsstudie: Wenn’s um den wirtschaftlichen Schwung geht, liegt die Hauptstadt weit zurück – rund 25 Prozent unterm Bundesschnitt

Katja Füchsel

Geht es um Berlins wirtschaftlichen Schwung, fällt dem Mann nur wenig Schmeichelhaftes ein. „Es ist ein unglaubliches Trauerspiel“, sagt Tasso Enzweiler, Geschäftsführer der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ – schaut auf die Zahlen, seufzt: „Das muss man erst einmal schaffen!“

Die PISA-Studie hat die Initiatoren auf die Idee gebracht. Was käme heraus, fragten sich Enzweilers Initiative und die „Wirtschaftswoche“, wenn man die Bundesländer auf wirtschaftlicher Ebene vergleichen würde? Gestern präsentierte Enzweiler das Ergebnis: Das Saarland – einst ein Synonym für Subventionen – hat den größten wirtschaftlichen Schwung. „Und die Hauptstadt Berlin liegt glatt abgeschlagen auf dem letzten Platz.“

Für die Vergleichsstudie hatten die Initiatoren gemeinsam mit dem Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) untersucht, wie sich in den 16 Bundesländern die Wirtschaft entwickelt und die politischen Rahmenbedingungen verändert hatten. Gefragt sind also die Zukunftsperspektiven eines Landes, nicht die aktuelle Wirtschaftslage. Da schneidet Bayern derzeit noch am besten ab.

Um etwas über die wirtschaftliche Dynamik herauszubekommen, verglich man19 Indikatoren aus den Bereichen Arbeitsmarkt (beispielsweise die Zahl der Sozialhilfeempfänger), Struktur (Steuerkraft, Staatsverschuldung), Standort (Ausbildungsplätze, Arbeitskosten), Wohlstand (Bruttoinlandsprodukt) und Unternehmens-Performance (Solvenzwahrscheinlichkeit).

Von einem engen Feld kann keine Rede sein: Während das Saarland 16 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegt, ist Berlin auf über 25 Prozent ins Minus gerutscht. „Bremen und Saarland sind auf ihrem Weg schon weiter“, gibt der Sprecher des Wirtschaftssenators zu. Der wirtschaftliche Strukturwandel habe in diesen beiden Ländern nicht erst nach Mauerfall, sondern „viel früher und sanfter“ eingesetzt. Außerdem könne man das Saarland mit einer Million Einwohner kaum mit der Metropole Berlin vergleichen. Saarlands Wirtschaftsminister, Hanspeter Georgi, jedenfalls zeigte sich gestern bester Laune, sprach von seinen „fünf Wegweisern“ (Unternehmergeist, Wirtschaftsfreundlichkeit, Innovationsbereitschaft, Standortaufwertung, Strategien des Wandels) und zählte auch ein paar praktische Beispiele auf: 2300 Verwaltungsvorschriften haben sie in Saarland beispielsweise ersatzlos gestrichen, eine Privatisierungskommssion eingesetzt und das Abitur in 12 Jahren durchgesetzt.

Im Roten Rathaus löste die Präsentation nicht gerade ein Erdbeben aus. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wollte gestern das miese Abschneiden Berlins nicht kommentieren. Studien gebe es schließlich zuhauf, sagte sein Sprecher Michael Donnermeyer. „Irgendwann werden wir auch diese lesen und uns dann dazu äußern.“ Während Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) den ganzen Tag auch telefonisch nicht zu erreichen war, erklärte sein Sprecher Christoph Lang: „Das Ergebnis ist nicht überraschend.“ Allerdings sei Berlin bereits auf gutem Wege, brauche aber noch einige Jahre, um aus der Talsohle herauszukommen. Heißt vom Saarland lernen also siegen lernen? „Das wird in Berlin bereits genauso angepackt und vorbereitet“, sagt Lang.

Die Studie gibt es unter:

www.chancenfueralle.de , www.wiwo.de

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