DAS SAGT DER JUGENDFORSCHER : „Klare Regeln sind die beste Prävention“

Herr Hurrelmann, Jugendliche filmen Gewalttaten und teilen das im Internet. Was bedeutet dieses Verhalten? 

Voyeure gab es immer schon. Aber das Verhalten hat sich durch die Möglichkeiten von heute verändert. Jeder hat ein Handy und kann Nachrichten produzieren. Damit erhöht sich auch der Verletzungsgrad des Opfers, denn ein solches Video wirkt sehr stigmatisierend, wenn es sich Tausende ansehen.

Können Schulen zur Gewaltprävention beitragen? 

Die Schule ist der Ort, an dem man alles probieren muss, um Gewalt einzudämmen. Das effektivste Mittel zur Gewaltprävention sind klar definierte Regeln: Welche Art von Verhalten akzeptieren wir an unserer Schule, welche nicht? An der Erarbeitung solcher Regeln sollten die Schüler selbst mitarbeiten.

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Die zweite große Chance für die Gewaltprävention ist Leistungsförderung. Minderwertigkeitsgefühle aufgrund von schlechten Leistungen können zu kompensatorischen Gewalttaten führen.

Gibt es an den Schulen noch Nachholbedarf in der Medienpädagogik? 

Ja. Medienpädagogik findet noch viel zu wenig Beachtung. Die Kluft zwischen der Lebensrealität der Schüler und dem, was in Schule vermittelt wird, ist noch zu groß. Dafür müsste es mehr Lehrer-Fortbildungen geben.

Klaus Hurrelmann ist Jugendforscher an der Hertie-School of Governance. Mit ihm sprach Susanne Grautmann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben