Berlin : Das Schild von Schilda

Charlottenburger Ladenbesitzerin verzweifelt an der Bürokratie

Ulrike App

Ein Schild an der Fassade – das bringt mehr Kundschaft, dachte sich Cornelia Hüppe-Binder. Im November hat sie die kleine Krimibuchhandlung Miss Marple in der Weimarer Straße in Charlottenburg eröffnet. Ein Schild ist kein Problem, sagte der Vermieter. Drei Meter über dem Gehsteig soll es hängen, mit einem Miss-Marple-Logo, stellt sich die 39-jährige Betriebswirtin vor. Doch zuerst benötigt sie die Genehmigung des Bezirksamts. Eine Formalität, dachte Hüppe-Binder - und hatte nicht mit der bürokratischen Realität gerechnet.

Bei ihrem ersten Anruf im Amt wird sie sieben Mal verbunden, am Ende landet sie in einer Warteschleife. Am nächsten Tag: Die dritte Ansprechpartnerin erklärt, dass eine Skizze des Schildes und ein Antrag nötig sei. Der Brief war schnell geschrieben, eine maßstabsgetreue Skizze legt Hüppe-Binder bei. Zwei Wochen später erkundigt sie sich nach dem Stand. Die zuständige Sachbearbeiterin sei in dieser Woche im Urlaub, so eine Mitarbeiterin. Sieben Tage später ein weiterer Anruf und eine neue Auskunft: Die besagte Sachbearbeiterin könne nicht für sie zuständig sein, da sie im Erziehungsurlaub sei. Man werde sich bei ihr melden.

Rund sechs Wochen nach der Antragstellung kommt die Antwort vom Bau- und Wohnungsaufsichtsamt: Eine Ablehnung. Der Antrag entspreche nicht der Bauvorlagenverordnung und sei unvollständig. Es fehlen: „Ein Lageplan, zwei verschiedene Bauzeichnungen, eine Baubeschreibung, Unterschriften im Original von Grundstückseigentümer, Bauherr und Entwurfsverfasser, sowie eine Vollmacht.“ „Ich stelle Ihnen die Neueinreichung nach Vervollständigung anheim“, so der Abschluss des Briefes. Fazit: Zwei Monate später hat Cornelia Hüppe-Binder immer noch kein Schild am Geschäft.

Charlottenburgs Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler kann die Aufregung nicht verstehen. Er weist auf die Vorschriften hin. „Für ein Schild ist eben nicht nur die Bauaufsicht zuständig, sondern auch das Amt für öffentliches Bauen“, sagt Gröhler. Im übrigen könne man den Vorgang nicht mehr genau nachvollziehen. Eine City-Koordinatorin solle nun das Problem beheben, sagt der Stadtrat. Hüppe-Binder will nicht aufgeben – und hat weitere Pläne. „Ich kann mir auch einen Fahrradständer vorstellen." Nötig dafür ist allerdings ein Antrag.

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