Berlin : Das Semester beginnt: Hendrykje Winkler, 19 Jahre

Hendrykje Winkler, 19 Jahre: Seit dem Frühjahr hat sie ihr Abi in der Tasche, jetzt besuchte sie ihre Einführungsveranstaltung im Fach Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Uni. Eigentlich wollte sie gar nicht gleich nach der Schule studieren, sondern erstmal ein Praktikum bei einer Zeitung machen. Doch ihre Mutter hatte andere Vorstellungen und konnte das Töchterchen dann doch zu einem Studium überreden. "Auf Mittelhochdeutsch hatte ich überhaupt keinen Bock", sagt sie, "aber ich interessiere mich für die deutsche Sprache, also habe ich dieses Fach gewählt". Vor zwei Tagen ist sie von Hamburg nach Berlin gekommen. "Momentan bin ich noch obdachlos", grinst sie, "ich wohne für die erste Zeit bei meiner Oma". Berlin ist ihr nicht sehr fremd, da sie hier bis zu ihrem achten Lebensjahr gewohnt hat. In Hamburg hielt sie nichts, da dort die Leute "zu spießig sind". Außerdem sei Hamburg ein Dorf. "Da bin ich in einer halben Stunde mit dem Fahrrad überall und kenne jeden. Außerdem spielt sich dort alles an der Alster ab. Das ist langweilig." Doch nicht nur das "langweilige Hamburg" hat die 19-Jährige nach Berlin verschlagen: "Naja, eigentlich bin ich ja auch wegen meines Freundes hierher gekommen", gesteht sie schüchtern. Der wohnt aber noch bei seinen Eltern, deshalb geht Hendrykje jetzt erst einmal auf Wohnungssuche. 500 Mark warm darf die Wohnung höchstens kosten. Über die Runden kommen wird Hendrykje durch Bafög, eine finanzielle Zuwendung durch ihre Eltern und durch Nebenjobs. "Ich denke, dass ich 1300 Mark schon brauche, um zu leben." Deswegen plant sie nebenbei als Hostess oder in einem Call-Center zu jobben.

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