• „Das sind Aussagen eines frustrierten Mitarbeiters“ Klaus Landowsky, ehemaliger Finanzmanager und CDU-Chef, zu Vorwürfen in der Bankenaffäre

Berlin : „Das sind Aussagen eines frustrierten Mitarbeiters“ Klaus Landowsky, ehemaliger Finanzmanager und CDU-Chef, zu Vorwürfen in der Bankenaffäre

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Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses meldet den Durchbruch in der Aufarbeitung der Bankenaffäre. Haben Sie als Banker Einfluss genommen zu Gunsten von Geschäftsleuten, die Ihrer Partei angehören?

Ich habe auf keinen einzigen Kredit persönlichen Einfluss genommen, zumal ich für das Kreditgeschäft der BerlinHyp auch nicht zuständig war. Alle größeren Kredite, die der Vorstand unter meinem Vorsitz bewilligt hat, sind von Wirtschaftsprüfern untersucht worden. Ich habe immer als letzter meine Unterschrift unter Kreditanträge gesetzt und darauf geachtet, dass einstimmige Beschlüsse getroffen wurden. Anschließend musste noch der Kreditausschuss diesen Entscheidungen zustimmen, darunter Bankgesellschaftschef Wolfgang Rupf und Nord-LB-Chef Manfred Bodin. Die Aussagen gehen offenbar auf einen stark frustrierten Mitarbeiter zurück, der im Zuge der Affäre ausgeschieden ist.

Der Manager hat angeblich von Briefkastenfirmen zur Verschleierung von Verlusten Ihrer Bank gesprochen. Ist damit die Immobilie von Jürgen Schneider Unter den Linden gemeint?

Mir sind weder Briefkastenfirmen noch Verschleierungskredite bekannt. In die ehemalige Schneider-Immobilie wollte die Bankgesellschaft mit ihrem Vorstand einziehen. Die Architektenentwürfe waren bereits fertig und die Baugenehmigungen erteilt. Dann hätte das Gebäude auch in einen Fonds gehen können. Und hier haben Landesbank und Berlin-Hyp keine Verluste verschleiert, denn die Berlin-Hyp hat für mehr als ein Drittel der Kredite Risikovorsorge getroffen.

Gestern stand einer der Chefs der Firma Aubis vor Gericht. Sie nahmen eine Parteispende von einem Aubis-Chef an, und Aubis bekam Kredite von Ihrer Bank. Haben Sie sich für die Aubis-Manager stark gemacht?

Nein, eher im Gegenteil, doch die Parteispende war ein Fehler. Sogar der PDS-Abgeordnete Harald Wolf hat im Untersuchungsausschuss erklärt, dass ich für den Aubis-Kredit keine geschäftsleitende Funktion hatte. Die Kreditvergabe an Aubis wurde 1997 von der Bankenaufsicht überprüft. Es gab keine Beanstandungen. Aus damaliger Sicht war es für Vorstand und Kreditausschuss eine vertretbare unternehmerische Entscheidung. Auch die Wirtschaftsprüfer haben den Aubis-Kredit seinerzeit nicht beanstandet.

Doch der Staatsanwalt ermittelt in Sachen Aubis immer noch gegen Sie. Wie ist der Stand?

Ich habe Vertrauen in die Staatsanwaltschaft. Ich habe mir weder strafrechtlich noch zivilrechtlich etwas zuschulden kommen lassen. Hierzu habe ich auch gegenüber der Staatsanwaltschaft Stellung genommen.

Hatte Politik Vorrang vor Bankgeschäften?

Politik hat bei unseren Krediten nie eine Rolle gespielt. Das ist Teil einer Rufmordkampagne. Wir haben die SPD-Zentrale, die PDS-Zentrale und die Taz-Druckerei finanziert. Ich habe risikoreiche Kreditgeschäfte stets abgelehnt, wie das Haus Cumberland. Zwischen 1991 und 1999 hat die Berlin-Hyp Gewinne in Höhe von 1,7 Milliarden Mark gemacht, davon 729 Millionen Mark Steuern bezahlt und eine Risikovorsorge in ähnlicher Höhe gebi ldet.

Das Gespräch führte Ralf Schönball.

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