Berlin : Das sind die Hugenotten

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Im Mai, vor seiner Wahl zum CDULandesvorsitzenden, war Christoph Stölzl offiziell vortragender Gast beim „Gesprächskreis Hauptstadt-Union“. Vorne bei ihm saß Oberhugenotte Günter Nooke, der Parteivize werden wollte, und der Abend hätte, nach allen Regeln der Parteikunst, schon deshalb in gegenseitige Schmeichelei ausarten müssen.

Aber hier traf ein ungewöhnlicher Politiker auf einen ungewöhnlichen Kreis. So verweigerte Stölzl, wenn auch charmant, die von ihm geforderte Erklärung, er werde Nookes Kandidatur unterstützen; er ahnte wohl, dass ihm andere dies mit Stimmenentzug vergelten könnten. Die Hugenotten wiederum ließen Stölzl, obwohl politisch mit ihm ersten Grades verwandt, ihr Misstrauen spüren. War das ihr Mann?

Gestern hat Stölzl ganz uncharmant gesagt, was er wohl damals schon dachte: dass da „irgendwelche Parallelstrukturen“ unverschämt für sich in Anspruch nähmen, Berliner Unionspolitik zu verkörpern.

Wer sind eigentlich diese Hugenotten – und warum heißen sie so? Die ursprünglichen Hugenotten waren in Frankreich verfolgte, oft adelige Protestanten, die Ende des 17. Jahrhunderts nach Berlin kamen. Sie brachten Ideen und unternehmerischen Schwung in die Stadt, weshalb sie hier – was sonst? – als unwillkommene Konkurrenz empfunden wurden.

Vertrieben wurden die Unions-Hugenotten nicht, ansonsten sehen sie Ähnlichkeiten. Dem Gesprächskreis, der keine Klüngelrunde sein will, gehören CDU-Mitglieder an, die nach der Wende oder im Zuge des Hauptstadtumzugs herkamen, aus Berliner Sicht also: aus der Provinz. Die Thesen unterzeichneten auch zwei Bundestagsabgeordnete: Markus Schulz, Geschäftsführer der NRW-Landesgruppe, und Matthias Graf von Kielmansegg, Mitglied von Angela Merkels Planungsgruppe.lom

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