Berlin : Das Soho House probiert’s mal mit Gemütlichkeit

Mehr als ein Hotelzimmer: Für Kreative mit gut gefülltem Geldbeutel richtet der angesagte Club in Mitte jetzt Apartments ein.

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Promis Küchenzeile. Stefanie Mason hofft auf illustre Mieter im Soho House. Foto: Wolff
Promis Küchenzeile. Stefanie Mason hofft auf illustre Mieter im Soho House. Foto: Wolff

Künstler haben es gern gemütlich, besonders solche, die viel unterwegs sind. Aber Hotelzimmer, auch solche in schicken Häusern, haben oft etwas Unpersönliches. Zwar kann man sie mithilfe von iPod-Docking-Stationen mit der eigenen Musik füllen, aber vieles andere fehlt dann doch.

Das Soho House in Mitte, seit zwei Jahren in Berlin am Markt als Club mit Hotelzimmern, hat gerade eine neue Nische entdeckt und will sie bis zur nächsten Fashion Week Anfang Juli schließen. In einem bislang unbenutzten Teil des Hauses entstehen zwanzig Apartments. Club-Managerin Stefanie Mason pflegt gute Kontakte nach Babelsberg und kann sich vorstellen, die für die Dauer der Dreharbeiten an Schauspieler zu vermieten. „Warum sollten nicht Tom Hanks oder Halle Berry bei uns wohnen, wenn sie dort länger zu tun haben?“ Auch Musiker, die für Aufnahmen in die Stadt kommen, Designer, die hier auf Ideensuche sind, oder Sänger, die ein Musical-Engagement haben und für einige Zeit möbliert wohnen wollen, könnten dort eine passende Unterkunft finden. Mit coolen Nachbarn darf gerechnet werden, denn bei den Club-Veranstaltungen treffen sich gern die hippen jungen Kreativen der Stadt.

Passend zur Geschichte des Hauses sollen die Apartments im 30er-Jahre-Stil eingerichtet werden. Das Haus in der Torstraße 1 wurde 1928 fertig und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Dort befand sich das erste jüdische Kaufhaus der Stadt. Später nahm es die Nazijugend in Beschlag, dann zog die SED ein und schließlich die PDS.

Seit zwei Jahren steht das Haus mit den Tischtennisplatten im Entree unter der Regie des Soho Clubs. Wer hier Mitglied ist, hat auch weit weg von Berlin immer die Chance, in einem Club anderswo ein vertrautes Umfeld zu finden und Gleichgesinnte zu treffen. „Uns geht es darum, ein ,home away from home‘ zu schaffen“, sagt Stefanie Mason, die lange einen Landsitz der Soho-Gruppe geleitet hat, Babington House in England. An den Feinheiten der Einrichtung bastelt derzeit noch das Interior-Design-Team in New York.

Fest steht aber schon, dass es viele Vintage-Möbel geben wird, voll eingerichtete Küchen, sowie neben den fast schon obligatorischen iPod-Docks auch Bücher und kleine Trolleys mit Whiskys und Wodkas wie in der Bar zu Hause. Liebevolle Details und individuelle Ausstattungen sind Stefanie Mason wichtig. Die Größen variieren zwischen 46 Quadratmetern für das kleinste Studio und 185 Quadratmetern für die Zwei-Schlafzimmer-Wohnung. Clans wie Brad Pitt und Angelina Jolie könnten sich auch mehrere Wohnungen mieten. Für die Mahlzeiten kann man die Clubräume benutzen oder sich vom Einkaufsservice den Kühlschrank füllen lassen. Wer sich für seine Freunde nicht selber an den Herd stellen möchte, obwohl er sie um den gemieteten Esstisch versammeln will, kann einen der Clubköche engagieren. Kreative, die so glücklich sind, mit ihren Gaben auch gutes Geld zu verdienen, finden hier dann unkomplizierten Komfort und das Gefühl, sich vom Touristen zum Berliner auf Zeit zu wandeln. Elisabeth Binder

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