Berlin : Das Spiel mit der Panik

41-jähriger Nachahmer aus Würzburg verhaftet Er bedrohte im Internet eine Schule in Spandau

Tanja Buntrock

Die Folgen der Massakerwarnung am Nikolaustag in Baden-Württemberg waren abzusehen: Nachahmer, auch „Trittbrettfahrer“ genannt, fühlen sich animiert, ähnliche Taten anzukündigen. Gestern hielt ein solcher Trittbrettfahrer auch die Berliner Polizei für einige Stunden in Atem. Er sitzt nun in Haft. Der 41-Jährige aus Würzburg hatte in der Nacht zu Freitag in einem Internet-Chatroom angedroht, „’ne Schule plattmachen“ zu wollen.

Offenbar hatte er in seinen Drohungen eine Schule in Spandau erwähnt – diesen Tipp erhielt das Berliner Landeskriminalamt (LKA) gestern Morgen von einem Internet-Nutzer aus Sachsen, der mit dem 41-Jährigen gechattet hatte. Doch die Würzburger Polizei machte den Mann schnell ausfindig. Er legte ein Geständnis ab. „Nur aus Spaß“ habe er gehandelt, weil andere dies ähnlich gemacht hätten.

Ernst oder Spaß? Vor dieser Frage steht die Polizei jedes Mal, wenn es um derartige Drohungen geht. In diesem Fall sei den Berliner LKA-Ermittlern schnell klar gewesen, dass es sich um einen „nicht als ernsthaft zu bewertenden“ Fall handelte. „Hierbei müssen wir jeden Einzelfall sorgfältig prüfen“, sagte ein Polizeisprecher. Es gebe genügend Kriterien anhand derer Ankündigungen eines Trittbrettfahrers im Gegensatz zu einem Ernstfall bewertet werden können. Details dazu werden verständlicherweise nicht verraten. So appelliert die Polizei ebenso an die Medien mit solchen Meldungen behutsam umzugehen und sie „nicht aufzubauschen“. Denn all dies animiere bloß wieder potenzielle Nachahmer.

Damit hat die Berliner Polizei ihre Erfahrung. Nach den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA gab es bereits eine solche Phase: Es war die Zeit der Anthrax-Drohungen. Der Milzbrand-Erreger in Form von weißem Pulver war in den USA anonym per Post verschickt worden – mehrere Menschen starben an den Folgen. Ein Anlass für Trittbrettfahrer auch in Berlin Panik zu verbreiten, indem sie Briefe mit Waschpulver oder Mehl anonym verschickten und somit kurzzeitig Anthrax-Alarm auslösten. Auch nach einer Serie von Schüssen auf BVG-Busse 2002 war die Polizei in einigen Fällen davon ausgegangen, dass Nachahmer am Werk waren. Doch solche „Späße“ haben ernste Folgen: Der bei der Polizei bereits als Straftäter bekannte 41-Jährige aus Würzburg muss sich jetzt vor Gericht wegen der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten und wegen Störung des öffentlichen Friedens verantworten. Daraus können bis zu fünf Jahren Haft werden.

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