Berlin : Das Spiel um Platz drei

Der Tourismus stagniert. Berlin muss sich gegen Rom verteidigen. Die ITB soll helfen

Stefan Jacobs

An diesem Wochenende werden sich wieder Menschen mit karibisch bedruckten Plastiktüten voll Reiseprospekte in Bussen und Bahnen drängen: Am morgigen Freitag beginnt die 37. Internationale Tourismusbörse (ITB), die größte Reisemesse der Welt. Rund 10 000 Aussteller aus fast aller Herren Länder präsentieren sich auf dem ausgebuchten Messegelände – bis Sonntag für jedermann, am Montag und Dienstag für Fachbesucher. Während die Privatbesucher vor allem (Eintritts-)Geld in die Kassen der Veranstalter spülen, sind die erwarteten 60 000 Reiseprofis aus aller Welt für die Stadt lebenswichtig: Mit einem jährlichen Umsatz von rund fünf Milliarden Euro ist die Tourismusbranche Berlins bedeutendster Wirtschaftszweig.

Hanns Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin-Tourismus-Marketing GmbH (BTM), kann sich darüber nur mäßig freuen: Dieser Spitzenplatz zeige die Schwäche der übrigen Wirtschaft. „Tourismus gehört auf Platz vier oder fünf – so wie in anderen Metropolen auch“, sagt Nerger. 4,75 Millionen Gäste in Berliner Hotels und Pensionen verzeichnet die BTM-Statistik für das vergangene Jahr. Macht bei einem durchschnittlichen Aufenthalt von zwei bis drei Tagen knapp elf Millionen Übernachtungen. Gut zwei Drittel der Touristen kommen aus Deutschland; die Liste der ausländischen Besucher führen die USA an – gefolgt von Großbritannien, Italien, den Niederlanden und der Schweiz.

Entsprechend groß ist der Aufwand, mit dem die BTM für Berlin wirbt – auch auf ihrem über 800 Quadratmeter großen ITB-Stand in Messehalle 12. Ein fünf Meter hohes Modell des Brandenburger Tores und eine sechs Meter hohe Reichstagskuppel sollen Gäste anlocken. Die Besucher können sich unter echten Linden über Berlin informieren, und ein Buddy-Bär mit Marlene Dietrichs Konterfei auf dem Bauch darf auch nicht fehlen. Nach der ITB wird das Tier allerdings nach Malibu ziehen: Auf das Anwesen von Thomas Gottschalk, der den Bären kürzlich von Klaus Wowereit geschenkt bekommen hat. Unter Regie der BTM präsentieren sich 41 Unternehmen: Die großen Hotels sind ebenso dabei wie die Spielbank am Potsdamer Platz und die Friedrichshagener Bürgerbräu-Brauerei.

Als Touristenmagnet hat Berlin inzwischen sowohl München als auch Rom überholt und liegt jetzt hinter London und Paris auf dem dritten Platz in Europa. Allerdings kamen im vergangenen Jahr 3,6 Prozent weniger Touristen als 2001, und angesichts von Kriegsangst und Rezession sieht Nerger für dieses Jahr „keine Anzeichen für Zuwächse“, sondern bestenfalls Stagnation.

Was bei Weltenbummlern nicht zu holen ist, sollen Kongressteilnehmer bringen: 17 000 Berliner Arbeitsplätze hängen laut BTM vom Tagungs-Tourismus ab, der der Stadt im vergangenen Jahr 810 Millionen Euro Umsatz und 2,8 Millionen Übernachtungen gebracht hat. Deshalb will die BTM verstärkt Tagungen in die Stadt holen. Den Anfang macht die erst gestern freigeschaltete Internetseite www.meet-in-berlin.de . Platz für Kongresse gebe es genug. Laut Marktforschung stehen auch Kulturangebot und Infrastruktur auf der Haben-Seite. Problematisch sei dagegen die fehlende USA-Flugverbindung. Dagegen helfen auch die beiden Büros der BTM in den Vereinigten Staaten wenig.

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