• „Das Stadion ist der Ort für Berlins Silvesterparty“ Winfrid Schwank, Geschäftsführer der neuen Arena, über Finanzen, Pläne und Visionen

Berlin : „Das Stadion ist der Ort für Berlins Silvesterparty“ Winfrid Schwank, Geschäftsführer der neuen Arena, über Finanzen, Pläne und Visionen

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Herr Schwank, am 31. Juli wird das neue Olympiastadion Berlin eröffnet. Wenn Sie die Augen schließen, was sehen Sie?

Ein Bild ist am klarsten. Ich stehe in der Ostkurve, vor mir Tausende von HerthaFans, Jubel, Emotionen, es kribbelt dann im Bauch. Das ist schön.

Haben Sie noch mehr Bilder im Kopf?

Naja, Sie werden es mir nicht glauben, aber ich sehe mich mit meinem Vater, 1974, 83 000 Zuschauer, Deutschland spielt bei der Weltmeisterschaft gegen Chile, Breitner schießt das 1:0. Und dann sehe ich mich später, wie ich auf einer Klassenfahrt nach Berlin ins Stadion schleiche, es ist leer, ich bin auf dem grünen Rasen, dann geht der Lautsprecher an, und eine Stimme sagt: „Der Junge mit dem roten Hemd, bitte runter da!“

Sie haben eine persönliche Beziehung zum Stadion?

Ja, und die ist sehr emotional. Wie für viele Berliner. Ich hänge an diesem Bauwerk, es hat mich schon immer interessiert, auch seine Geschichte. Und die Verbindung zum Nationalsozialismus. Manchmal habe ich diesen Zeitraffer im Kopf, was dieses Stadion alles erlebt hat, erleben musste. Und was jetzt alles kommen wird an Veranstaltungen: die Eröffnung, die Fußball-WM, hoffentlich die Leichtathletik-WM. Und dann wäre die logische Konsequenz: Olympische Spiele in Berlin.

Für viele ist das Olympiastadion noch immer das Stadion der Nazis. Wie wird man dieser Vergangenheit gerecht?

Indem man diese Vergangenheit vermittelt, zeigt, ausstellt. Das tun wir, eine Historische Kommission kümmert sich darum. Es wird am Stadionrand 30 Schautafeln geben, die die Zusammenhänge erklären, aber auch sagen, was es zum Beispiel mit dem Glockenturm auf sich hat.

Heute brauchen Stadionbetreiber vor allem gute Ideen, um ihre Arenen zu finanzieren. Wie machen Sie das?

Zunächst muss das Land Berlin nicht die gesamte Summe des Bauvolumens bedienen, der Bund hat 200 Millionen Euro gegeben, die restlichen 42 Millionen hat die Baufirma Walter-Bau dem Land als Darlehen zur Verfügung gestellt, und wir gehen davon aus, dass wir mit unserem Wirtschaftsplan das Stadion kostendeckend betreiben können.

Was haben Sie denn zu bieten außer Fußball und Leichtathletik, wie dem Istaf?

Natürlich wollen wir auch Konzerte veranstalten, aus den Bereichen Rock, Pop und Klassik. Wir wissen aber schon, dass nur wenige Künstler ein Stadion mit 76 000 Zuschauern füllen können.

Was bleibt dann noch?

Eine ganze Menge. Wir wollen ein ganz neues Konzept umsetzen. Eine unserer Ideen ist: Machen wir das Olympiastadion zum Ort für Berlins Silvesterparty. Ein großes Event mit toller Show. Wer Silvester zum Brandenburger Tor geht, würde auch ins Olympiastadion kommen. Bei uns ist es sogar bequemer, und das gesamte Gelände stünde für Partys zur Verfügung.

Silvester ist nur einmal im Jahr.

Wir wollen das Stadion lebendig machen für die Berliner. Ich könnte mir ein großes Kinderfest vorstellen, 70 000 Kids feiern Sonntagmorgen im Olympiastadion, vielleicht angelehnt an die Superstar-Shows im Fernsehen. Das Stadion ist attraktiv für viele Veranstalter. Zum Beispiel auch für Firmen.

Ohne Fußball?

Ja. Das geht. Wir müssen doch nicht immer das ganze Stadion vermieten. Unternehmen können sich einzelne Bereiche suchen, wo sie Meetings machen und dabei auf die blaue Laufbahn und den Rasen schauen. Wir können uns auch Kongresse vorstellen, und wieso nicht auch Hochzeiten. Unternehmen können ihre Mitgliederversammlungen oder Vorstandssitzungen hier abhalten. Dieses Geschäftsmodell kommt draußen im Markt gut an.

Konkret, wie viel Veranstaltungen brauchen Sie im Jahr?

Unser Ziel sind 28 bis 30 größere Veranstaltungen. Dazu rechnen wir rund 100 Vermietungen im Jahr, für die Logen, Coubertin-Saal oder andere Räumlichkeiten im Stadion.

Wo ist Ihr Lieblingsort, wenn das Stadion leer ist?

Eindeutig der Coubertin-Saal vor der Ehrentribüne. Der Raum ist schlicht und doch elegant, die originalen Steinbänke wurden in Muschelkalk wieder instand gesetzt. Dort spürt man das ganze Wunder des Bauwerks. Es atmet.

Das Interview führte Armin Lehmann.

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