Berlin : Das steckt im neuen Rezept für eine Vogelgrippeimpfung

Björn Rosen

Während das Vogelgrippe-Virus H5N1 in der Türkei Todesopfer forderte, meldete die Firma Glaxo-Smith-Kline, sie habe den ersten Prototyp eines Vogelgrippe-Impfstoffs für den Menschen bei der zuständigen Euro-Behörde EMEA angemeldet. Das zeigt, dass sich die Pharmakonzerne auf ein mögliches Überspringen des Virus auf den Menschen vorbereiten – der Prototyp ist aber nur der erste Schritt zu einem vorbeugenden Schutz.

Für die Herstellung eines Grippeimpfstoffs braucht man das Virus, von dem die Menschen bedroht sind. Zum jetzigen Zeitpunkt weiß aber noch niemand, welche Form H5N1 haben wird, wenn es von Mensch zu Mensch springt. Wissenschaftler können allerdings schon berechnen, wie ein Impfstoff aussehen müsste, damit er möglichst schnell hergestellt werden kann – und genau das hat die Forschungsabteilung von Glaxo in Dresden getan. Bei ihrem Prototyp handelt es sich also nicht um einen Impfstoff, den man bereits spritzen kann, sondern um eine Herstellungsanleitung für den Ernstfall. Die Mediziner haben sozusagen einen Rahmen entwickelt, in dessen Mitte nach Ausbruch einer Epidemie nur noch das grassierende Virus eingesetzt werden müsste. Und Schnelligkeit täte dann auch Not – es dauert grundsätzlich drei bis sechs Monate, um einen Grippeimpfstoff herzustellen.

Grundprinzip jeder Grippeimpfung: Der Körper wird vorsorglich mit abgetöteten Teilen des Virus konfrontiert und kann deshalb rechtzeitig Antikörper entwickeln. Grundlage für den nun angemeldeten Prototyp sind fünf Studien mit etwa 1000 Testpersonen, denen in verschiedenen Gruppen Impfstoff injiziert wurde, der die derzeit nicht grassierenden Viren H9N2 und H2N2 enthielt. Weil die mit dem Vogelgrippe-Virus H5N1 vergleichbar sind, konnte man aus dem Ergebnis ableiten, welche „Rezeptur“ im Fall einer Pandemie die effizienteste wäre.

Neben abgetöteten Virus-Bestandteilen, die das Immunsystem anregen – den Antigenen – sind in einem Impfstoff noch so genannte Adjuvantien enthalten – diese Stoffe verstärken die Wirkung der Antigene; das Adjuvans im Prototyp ist ein Aluminiumsalz. Weil Adjuvantien leicht hergestellt werden können, Antigene aber nur auf sehr aufwändige Weise, will man den Anteil der Antigene an einem Impfstoff natürlich möglichst niedrig halten. Die Rezeptur des Prototyps zeigt nun auch, wie hoch der Anteil an Antigenen sein muss und gleichzeitig der an Adjuvantien. Außerdem fand man heraus, dass dann wohl zwei und nicht nur eine Impfung nötig sein werden. Bald beginnen Studien mit einem Impfstoff, der H5N1 enthält.

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