Berlin : Das steckt in Taschentüchern

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40 Milliarden Papiertaschentücher gebrauchen die Deutschen im Jahr, aber kaum einer weiß, dass diese Wegwerfartikel eine richtige Kulturgeschichte haben. Denn schon 200 nach Christus hatten Chinesen die ersten Exemplare aus Hanf gebastelt. Für die Menschen der Neuzeit wurde das Papiertaschentuch allerdings erst 1894 reerfunden; und zwar von einem Deutschen. Die Göppinger Papierfabrik Krumm erhielt ein kaiserliches Patent, Nummer 81094, für das „erste“ Papiertaschentuch. Das war in Glyzerin getränkt. Glyzerin findet man heute in vielen Kosmetikprodukten, es ist ein Baustein aller pflanzlichen Fette. Das erste Taschentuch war also eigentlich genauso modern wie die heute mit Aloe Vera oder Hautlotion versehenen Trendtaschentücher. Es blieb jedoch zunächst recht unbeachtet. Bekannt wurde das Papiertaschentuch erst durch die Marke „Tempo“, die ihr Patent 1929 anmeldete und in den 50er Jahren das Stofftaschentuch an Beliebtheit überholte.

Grundstoff ist der sogenannte Zellstoff. Zutaten für eine Tonne Zellstoff: zwei Tonnen Holz, 250 000 Liter Wasser und 1000 Kilowatt Strom pro Stunde. Zellstoff wird vom Hersteller aber meistens schon als fertige „Platte“ eingekauft. Ein großer deutscher Hersteller ordert beispielsweise welche aus Birke und Eukalyptus, die haben kurze Fasern, dadurch wird das Tuch schön weich, dazu Platten aus Nadelhölzern, deren lange Fasern Stabilität bringen. Das Verhältnis, in dem sie gemischt werden, ist geheim, bekannt ist nur, dass die benötigte Menge Zellstoff erst mal in einen großen Zuber voll Wasser geworfen und ordentlich vermanscht wird. Die entstandene Pampe wird erst auf Sieben getrocknet, dann auf einer riesigen, erwärmten Rolle und immer dünner gewalzt. Der Rest der Fertigung ist in einer Minute erledigt: Mehrere Lagen werden übereinandergepresst, an den Kanten „verschweißt“, in die taschentuchtypische Faltung gelegt und zu Zehnerpäckchen sortiert. Folie drum und fertig. jea/rcf

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