Berlin : Das strahlend weiße Lächeln wird ein teurer Spaß

Nun werden überraschend auch die zahnärztlichen Leistungen teurer: Berliner müssen bei Kronen und Prothesen sehr viel mehr selbst bezahlen

Ingo Bach

Praxisgebühr und Zuzahlungen – Gesundheit wird für gesetzlich Versicherte im kommenden Jahr wesentlich teurer. Außer beim Zahnarzt, beruhigten Politiker, Krankenkassen und Dentisten unisono die verunsicherten Patienten. Zwar seien auch hier die zehn Euro Praxisgebühr ab 2004 fällig, mehr aber auch nicht. Denn die vereinbarte Zusatzversicherung für den Zahnersatz gelte erst ab 2005. Viele Berliner Zahnpatienten werden trotzdem schon ab dem 1. Januar 2004 tiefer in die Tasche greifen müssen. Grund: weitgehend unbemerkt wurden auch die Richtlinien für die Zahnarzt-Honorare überarbeitet.

„Für die Patienten sind das viele kleine Veränderungen, die im Ergebnis dazu führen, dass sie schon ab 2004 erheblich mehr zuzahlen müssen“, sagt der Vizevorsitzende der Berliner Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV), Karl-Georg Pochhammer. Vor wenigen Tagen stellte die KZV den Inhalt der Veränderungen den Berliner Zahnärzten vor. Und diese waren nach Angaben von Teilnehmern überrascht von den teilweise erheblichen Auswirkungen.

Ziel dieser bisher unbeachteten Reform ist es nach Kassenangaben, den Zahnarzt nicht wie bisher für Reparaturen am Gebiss zu belohnen, sondern für die Prophylaxe. „Also bekommen sie für die vorbeugende Behandlung, wie zum Beispiel für die Zahnuntersuchungen bei Kindern, mehr Geld von den Kassen zulasten solcher Leistungen, wie Brücken oder Kronen“, sagt der Sprecher der Berliner Ersatzkasse, Andreas Kniesche.

Teilweise sinken zwar auch die Honorare für zahntechnische Leistungen, das drückt die Herstellungskosten für eine Krone oder eine Brücke. Dafür wachsen aber die Belastungen für deren zahnfarbene Verblendung. „Und diese Kosten sind wesentlich höher als die möglichen Einsparungen“, sagt KZV-Vize Pochhammer. Der Trend, am Gebiss den sozialen Status einen Menschen ablesen zu können, werde verstärkt.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen außerdem nur noch einmal im Jahr die Entfernung von Zahnstein. „Bisher trugen sie die Kosten, so oft die Zahnsteinentfernung medizinisch notwendig war“, sagt Pochhammer. Die Kassen begründen diese Änderung damit, dass diese Behandlung medizinisch nicht notwendig sei. „Studien beweisen, dass dies ein rein kosmetischer Eingriff ist“, sagt Kassensprecher Kniesche. Pochhammer widerspricht: „Zahnstein begünstigt den Zahnfleischschwund.“

Die Reform bedeutet auch, dass der Patient die Preise vergleichen muss. Denn die Zahnärzte erhalten mehr Gestaltungsfreiheit bei den Honoraren. Je nach dem, wie gut das Bonusheft über regelmäßige Zahnarztbesuche vom Patienten geführt wurde, zahlen die Kassen bei den genehmigten Leistungen einen Zuschuss bis zu 65 Prozent. Die Berliner KZV hat ihre Mitglieder gebeten, es „bei den Honoraren nicht zu übertreiben“, sagt Pochhammer. „Sonst ist die Belastungsgrenze der Patienten schnell überschritten – und sie gehen zu einem anderen Arzt.“

Warum aber empfehlen die Zahnärzte, nicht doch noch schnell einen Termin in diesem Jahr zu vereinbaren? „Sie fürchten den Ansturm der sparwilligen Patienten“, sagt Pochhammer. „Das Budget ist aufgebraucht und der Mediziner muss quasi umsonst arbeiten.“ Im kommenden Jahr dagegen kann er mehr vom Patienten privat kassieren.

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