Berlin : Das Tatmotiv der beiden taubstummen Männer bleibt unklar

kf

Die Gebärden-Dolmetscherin bleibt im Gerichtssaal mit ihrem Stuhl zunächst in Bewegung. Erst kann der eine Angeklagte sie nicht richtig sehen. Dann können die Richter die Übersetzung nicht verstehen. Und schließlich klagt der türkische Dolmetscher der Nebenkläger, dass er kaum ein Wort höre. Nachdem sich die junge Frau zum dritten Mal umgesetzt hat, fahren im Moabiter Kriminalgericht Hände durch die Luft. "An dem Tag hatte Tayfun die Idee, dass Fahd sterben muss", sagt Oguz K. mit seinen Gesten. Sein Freund Tayfun Ö. nimmt den Vorwurf auf der Anklagebank mit unbewegter Miene zur Kenntnis.

Der Staatsanwalt wirft den beiden taubstummen Männern vor, am 26. Oktober ihren Freund Fahd A.-K. getötet zu haben. Auch das 21-jährige Opfer konnte weder sprechen noch hören, es soll sich "abfällig in Gebärdensprache" über die beiden deutschen Türken geäußert haben. Laut Anklage führten sie ihren Freund deshalb in den Regenabwasserkanal "Schwarzer Graben" in der Nähe des Tegeler Flughafensees. Ohne Vorwarnung soll hier der 24-jährige Tayfun Ö. auf den Rücken von Fahd A.-K. eingestochen haben. Als ein Kanalarbeiter den 24-jährigen Libanesen am nächsten Tag fand, war die Leiche mit 36 Stichen übersät.

Die beiden jungen Männer sind weitgehend geständig, bezichtigen sich aber gegenseitig der Planung. "Wir haben Fahd gesagt, in dem Tunnel sei Geld versteckt", erklärt Oguz K. Tatsächlich sei aber klar gewesen, dass der Libanese getötet werden sollte. Das Motiv der beiden bleibt undurchsichtig: Da ist einmal die Rede von der Freundin des Opfers, die auch Tayfun Ö. begehrte habe, sich aber einen Laufpass einhandeln musste. "Darüber war Tayfun sehr traurig." Dann wieder heißt es, dass Fahd A.-K. wiederholt "schlecht über Oguz" redete, ihn sogar habe töten wollen. "Darüber war ich sehr wütend." Und schließlich erklären beide, dass Fahd A.-K. geplant habe, den Schmuck von Tayfuns Mutter zu stehlen. "Da hat Tayfun beschlossen: Er muss sterben."

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