Berlin : Das Tier in uns

Ariane Bemmer

findet es nur zu passend, dass die Zoodirektoren hier tagen Wo auch sonst? Das deutsche Zoodirektorentreffen findet in Berlin statt, der Stadt mit dem Bären im Wappen und den vielen Hunden in den Straßen, deren Bewohner den Tiger im Tank haben, das Gemüt eines Esels und die Sturheit eines Tapirs. Die schimpfen wie Rohrdommeln, Rad fahren wie gejagte Säue, deren Landeskasse so leer ist wie der Bauch des Igels nach dem Winterschlaf und deren Grünanlagen so gerupft sind wie der Bauch eines mausernden Kakadus. Deren Gebäude Gürteltier oder schwangere Auster heißen und deren Verkehr fließt, wie eine Schnecke kriecht. Reiner Zufall ist es dagegen, dass die Zoodirektoren gerade jetzt nach Berlin kommen, wo der Wahlkampf zur Bundestagswahl losgehen soll. Welche Farbe das Gefieder der nächsten Regierung auch immer haben mag: Im Zoo werden ihre Mitglieder, diese hohen Tiere, selten gesehen. Dabei könnten sie da auch viel lernen. Ein Zoobesuch sei unbewusster Ahnenkult, soll der Komiker Fernandel einst gesagt haben.

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