Berlin : Das Tor ist zu, der Verkehr rollt – bis die Polizei kommt

Eine Protokollfahrt führte in der Behrenstraße zum Stau. Doch es gibt Chancen, dass der Verkehr im Alltag fließt

Klaus Kurpjuweit

Stau ums Brandenburger Tor? Von wegen. Stopps gibt es nur vor den Ampeln. Aber fast jede Grünphase reicht, um alle Wartenden passieren lassen zu können. Bis die Polizei erscheint. Dann geht gar nichts mehr. So wie gestern, als die Helfer in Grün mal wieder einen Superstau produzierten.

Gegen 13.40 Uhr stellt sich ein Polizist auf seinem Motorrad auf die Kreuzung Behrenstraße/Wilhelmstraße und blockiert den Verkehr. Nur Autos, die von den Linden kommen, dürfen weiterfahren. Minutenlang steht der Polizist auf der Kreuzung, ab und zu hält er ein Schwätzchen mit einem vorbeifahrenden Kollegen. Der Stau ringsum wird länger und länger. Dann endlich kommt die erwartete „Kolonne“, die aus nicht einmal fünf Autos besteht. Vom jordanischen Königspaar, das den Aufwand vielleicht gerechtfertigt hätte, ist weit und breit nichts zu sehen. Von der Polizei auch nichts mehr. Nachdem die Minikolonne vorbeigerauscht ist, macht sich sofort auch der „Verkehrsregler“ aus dem Staub. Die Ampelanlage bleibt ausgeschaltet, so dass nach dem üblichen Berliner Verfahren innerhalb von Sekunden die gesamte Kreuzung blockiert ist, weil die Autofahrer von allen Seiten gleichzeitig versuchen, voranzukommen. Der Stau von der Behren- über die Ebertstraße dürfte jetzt weit auf die Straße des 17. Juni reichen. Auch eine Viertelstunde später hat er sich noch nicht aufgelöst.

Vor dem Polizeieinsatz war noch alles im Fluss. Dabei sind die Ampeln auf den Umfahrungsstraßen des Brandenburger Tores noch nicht optimal geschaltet. An der Kreuzung Behrenstraße/Ebertstraße stehen die Autos im Ost-West-Verkehr vor der Rot zeigenden Ampel, auch wenn auf der Nord-Süd-Verbindung gähnende Leere herrscht. Selbst an der Baustelle für die Akademie der Künste gab es keine Probleme, obwohl der Verkehr Richtung Westen dort auf der Behrenstraße einspurig ist. Ähnlich werde es auch beim Bau der amerikanischen Botschaft oder des Holocaust-Mahnmals aussehen, ist die Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung, Petra Reetz, überzeugt. Es gibt, wie berichtet, Befürchtungen, dass es mit diesen Baustellen zum Stau kommen wird, weil das Brandenburger Tor für die Durchfahrt geschlossen bleibt. Da es für die neue Botschaft aber einen Sicherheitsabstand von mindestens sieben Meter gebe, könne dort die Baustelle eingerichtet werden, ohne die Straße beanspruchen zu müssen. Und noch in dieser Legislaturperiode solle zudem die Französische Straße bis zur Ebertstraße verlängert werden. Mängel gibt es allerdings bei den Ausschilderungen der Umgehungsmöglichkeiten. Die wenigen Hinweise am Straßenrand werden meist durch parkende Busse verdeckt.

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