Berlin : Das tote Baby lag im Heizungskeller

Prozess gegen eine 19-Jährige. Sie soll ihr Neugeborenes mit einer Plastiktüte erstickt haben

Kerstin Gehrke

Eine junge Frau im schwarzen Hosenanzug, dazu eine weiße Bluse. Sie ist schlank, ihre eher dunkelblonden Locken fallen über die Schultern. „Ja, ich äußere mich“, erklärt sie mit zarter Stimme. Aggressionen scheinen nicht im Wesen der 19-jährigen Stefanie F. zu liegen. Doch sie sitzt seit gestern wegen Totschlags vor einer Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts. Sie brachte im letzten April allein und von anderen unbemerkt ein Kind zur Welt. Und sie soll den gesunden Jungen unmittelbar danach mit einer Plastiktüte erstickt haben.

Stefanie F. lebte mit ihren Eltern in einem Einfamilienhaus in Karlshorst. Lange schien die Welt der Tochter geordnet. Nach der zwölften Klasse aber verließ sie das Gymnasium. Das könnte ein erstes Anzeichen für Veränderungen in ihrem Leben gewesen sein, über das sie nicht reden wollte. Sie jobbte in den folgenden Monaten, und die damals eher rundliche junge Frau verheimlichte oder verdrängte ihre Schwangerschaft. Nur wenige Wochen nach ihrem 19. Geburtstag hat sie an einem frühen Morgen entbunden – im Nachbargarten ihres Elternhauses.

Nach außen lebte Stefanie F. weiter, als sei nichts geschehen. Bis ihr Vater vier Monate später in den Keller ging. Dem 47-Jährigen schlug ein unangenehmer Geruch entgegen. Als er der Sache auf den Grund gehen wollte, machte er den grausigen Fund: In einer Tüte, die hinter einer Tischplatte zwischen Heizöltank und Wand klemmte, lag eine stark verweste Babyleiche. Er konfrontierte die Tochter mit der schrecklichen Entdeckung. Weinend soll die 19-Jährige zusammengebrochen sein. Der Kfz-Schlosser alarmierte sofort die Polizei.

Seit jenem Tag im August sitzt die junge Frau in Untersuchungshaft. Im Ermittlungsverfahren gab sie an, die Schwangerschaft nicht bemerkt zu haben. Von der Geburt sei sie völlig überrascht gewesen. Das Kind sei bereits tot gewesen, soll sie erklärt und damit den Vorwurf des Totschlags bestritten haben. Doch der kleine Junge soll gelebt haben. In der Anklage hieß es: „Wenig später stülpte sie ihm eine Plastiktüte über den Kopf, zog diese sodann fest unter dem Kopf zusammen und verknotete sie dort, um das Kind zu töten.“

Wie war es möglich, dass niemand etwas bemerkte von der Schwangerschaft? Was ist bewusst und was unbewusst abgelaufen bei der mutmaßlichen Tat und den neun Monaten davor? Im Prozess gegen Stefanie F. sitzt ein psychiatrischer Gutachter mit im Saal. Sie hatte ihm gegenüber bereits Angaben gemacht. Kurz nach Verlesung der Anklage begann ihre Aussage im Prozess – allerdings hinter verschlossenen Türen. Auf Antrag des Verteidigers schlossen die Jugendrichter die Öffentlichkeit zum Schutz der Angeklagten aus. Mit einem Urteil wird für Mitte März gerechnet.

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