Berlin : Das transportable Ikea-Museum

Die Nordischen Botschaften haben sich in eine Ausstellungshalle verwandelt. Präsentiert werden Exponate des schwedischen Möbelherstellers

Stefan Jacobs

Eröffnet wurden die Nordischen Botschaften in Tiergarten schon Ende 1999, aber wirklich vollendet wurden sie erst gestern Abend – mit der Eröffnung einer Ausstellung über die Geschichte von Ikea. „Vom Wohnen zum Leben. Eine Zeitreise“, heißt die Schau, die objektiv nur aus ein paar Aufstellwänden und Sitzmöbeln plus Kinderecke besteht, aber subjektiv wie ein untrennbarer Bestandteil des „Felleshus“ in der Rauchstraße wirkt.

Zum Beispiel das Ivar-Regal, das im heimischen Keller grandios und im Wohnzimmer zumindest akzeptabel aussieht: Es passt perfekt auf die von reichlich Tageslicht erhellten Flure, zwischen Sichtbetonsäulen, Naturholzdielen und Geländer aus mattierten Glasscheiben, die ihr Dasein genauso gut als Türen im Küchenschrank fristen könnten.

Bei der Eröffnung war auch Schwedens Botschafter Carl Tham dabei – und rückte die Maßstäbe zurecht: „Ikea ist bekannt; man benutzt es, aber es ist nicht das Symbol für die Schweden. Das ist eher Volvo.“ Zu Hause wohne er selbst zwischen Ikea-Stühlen und -Regalen, berichtet Tham. Nach seinen Büromöbeln gefragt, muss er kurz überlegen. „Nein, da habe ich etwas Teureres.“

Beim Rundgang durch die Ausstellung sieht man die erste Zeitungsannonce, die Firmengründer Ingvar Kamprad persönlich verfasste und ein Fahrrad, das dem ähnelt, mit dem er als 17-jähriger Start-up-Unternehmer Streichhölzer, Kugelschreiber und Weihnachtsbaumschmuck auslieferte. Das war 1943, als Ikea noch ein Ein-Mann-Betrieb mit Kunden im Umkreis von einer Fahrradstunde war. Der Firmenname erinnert an die Wurzeln: Ingvar Kamprad vom Hof Elmtaryd im südschwedischen Ort Agunnaryd – die Initialen bildeten den Namen.

Im Jahr 1955, der Ikea-Katalog war bereits erschaffen, hatte ein Mitarbeiter des Unternehmens die vielleicht genialste Eingebung seit Erfindung des Rades: Er lieferte einen Tisch aus und schraubte, um ihn besser im Auto unterzubringen, die Beine ab. So wurde das Ikea-Paket erfunden, das Millionen Menschen zu Selbstabholern werden ließ.

Natürlich weiß man bei Ikea, dass Kinder lieber spielen wollen, als über Sternstunden der Menschheit zu staunen. Deshalb gehört zur Ausstellung auch eine Spielecke – mit Schaukelbananen, Wackelhockern und Malwand. Die Eltern können solange auf einem Kunststoffstuhl aus dem Jahr 1974 ausruhen, dessen Lieferant sonst Eimer herstellte. Deren Design ist für den Stuhl nur geringfügig modifiziert worden; man sitzt aber recht bequem. Noch gemütlicher wird der Stuhl, wenn man von ihm aus das Foto von der Eröffnung des ersten Einrichtungshauses in Stockholm betrachtet. Es stammt von 1965 und zeigt eine Menschenschlange, gegen die das tägliche Häuflein vor dem MoMA-Container nicht der Rede wert ist.

Über den Firmengründer, der als reichster Schwede gilt, ist wenig zu erfahren; auch Botschafter Tham kennt ihn nicht persönlich. Dafür erfährt man, woher die Namen der Produkte kommen: Zwei schwedische Ikea-Mitarbeiterinnen suchen sie aus Landkarten und Lexika. So sind Badezimmerartikel nach Gewässern benannt, Gardinen tragen Frauennamen und Bücherregale die von Berufen. Leider fehlt die Erklärung, womit ein „Billy“ sein Geld verdient. Ansonsten muss nur auf die Hotdogs zum Selbstbauen verzichtet werden, die es in den Möbelhäusern hinter der Kasse gibt. Dafür ist die Ausstellung gratis.

Ikea-Ausstellung in den Nordischen Botschaften in Tiergarten, Rauchstr. 1, bis 4. April, Mo.-Fr. 10 bis 19 Uhr, Sa./So. 10 bis 17 Uhr.

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