Berlin : Das Trüffelschwein

Ulrich Gronert besitzt die größte private Sammlung KPM-Porzellan. Zum Jubiläum der Manufaktur hat er 80 seiner Stücke zur Verfügung gestellt.

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Elefant auf Porzellan. Ulrich Gronert (rechts) und sein Sohn Tim verbindet ihre Begeisterung für KPM-Objekte. Foto: Georg Moritz
Elefant auf Porzellan. Ulrich Gronert (rechts) und sein Sohn Tim verbindet ihre Begeisterung für KPM-Objekte. Foto: Georg MoritzFoto: Georg Moritz

„Ich habe beinah einen Herzinfarkt gekriegt“, sagt Ulrich Gronert. Da stand er auf einmal vor ihm, in einer Berliner Wohnung: der lang herbeigeträumte Kakteenkasten. Gronert wusste, dass es ihn gab, aber gesehen hatte ihn schon lange keiner mehr. Auf der einen Seite trabt ein Elefant durch den Dschungel, auf der anderen pirscht ein Tiger durchs Dickicht. Heute steht der Kasten auf Gronerts Kaminsims in seiner Villa in Grunewald. Manchmal legt er eine Packung Streichhölzer für das Kaminfeuer in das wertvolle Stück.

Auf der Unterseite prangt es, unverkennbar: das blaue Zepter der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM), die in diesem Jahr ihren 250. Jahrestag feiert. Für die drei Jubiläumsausstellungen in Charlottenburg hat Ulrich Gronert, 68, einiges beigesteuert. Um die 80 der etwa 2000 Stücke aus seiner Privatsammlung hat er an die Ausstellungen verliehen.

Gronert besitzt die größte Privatsammlung von KPM-Stücken aus der Zeit der 20er bis 60er Jahre. Jahrzehnte schon hat er sich dieser Leidenschaft verschrieben, seit er sich mit seiner Frau als Kunsthändler selbstständig gemacht hat. „Ich bin ein Trüffelschwein“, sagt er. Das Stöbern ist seine liebste Beschäftigung – und das hat er an seinen Sohn Tim weitergegeben. Der 39-Jährige hat nicht nur die Begeisterung für KPM übernommen, sondern Anfang des Jahres auch den Kunsthandel.

„Ist das nicht entzückend?“, sagt der Vater und präsentiert ein kleines Schälchen mit gemalter, filigraner Unterwasserwelt. „Da könnte ich ausflippen.“ Im Wohnzimmer in der Grunewalder Villa ist so ziemlich jeder Platz genutzt, um Stücke der Sammlung zu präsentieren: Schalen, Teller, Vasen, Kerzenständer, kleine Figuren, Hündchen, Turteltauben, ein aufgerichteter Bär. Nur im Eck steht ein leerer, runder Tisch. Hier glänzt mit Abwesenheit eine Vase von 1925 – sie schmückt jetzt den Einband des Katalogs der KPM-eigenen Jubiläumsausstellung. Ulrich Gronert hat sie verliehen.

Der Großteil der Sammlung befindet sich in einem Lager. „Stellen Sie sich diesen Raum hier vor“, sagt Ulrich Gronert und breitet die Arme aus, „mit circa 2000 Porzellanstücken in den Regalen.“ Sein Traum wäre es, all das in einem Museum zu präsentieren. „Aber es wird wohl ein Traum bleiben“, sagt er. Allein könne er die Mittel für den Unterhalt nicht aufbringen. Vor allem Tim Gronert besucht das Lager häufig, seit er die Sammlung wissenschaftlich untersucht. Kommendes Jahr möchte er ein Buch dazu veröffentlichen, mit mehr als tausend Abbildungen und einem Fokus auf die Künstler, die die Stücke geschaffen haben. Er lebt mit seiner Familie in einem anderen Teil der Villa – dort gibt es keine KPM-Objekte, wegen der beiden kleinen Söhne.

In all den Jahren ist nur ein einziges Objekt zerbrochen. Tim Gronert ist ein Mokkatässchen ausgerutscht, als die komplette Sammlung in ein größeres Lager umzog. Wochenlang hat er Stück um Stück in Seidenpapier gehüllt, in Luftpolsterfolie eingewickelt und in Bananenkisten verpackt. Ängstlich dürfe man dabei nicht sein, sagt er, „dann geht viel eher was kaputt.“

Das Forschen in den KPM-Archiven bringt immer neue Objekte der Begierde hervor. „Diese Stücke jagt man dann“, sagt Tim Gronert. Währenddessen blättert der Vater in einem Buch mit KPM-Abbildungen. „Da wird mir ganz anders“, sagt er. Er meint eine große Bildplatte aus Porzellan, mit aufgemalter Blumenwiese. Ulrich Gronert weiß nicht, wo sie sich befindet – „sonst hätte ich sie schon längst“, sagt er. Der Jagdinstinkt des selbst ernannten Trüffelschweins ist so wach wie eh und je. Franziska Felber

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