Berlin : Das überwachte Herz

Eine 30-Jährige erhielt in Berlin den weltweit ersten Hightech-Schrittmacher

Liva Haensel

„Als ich gehört habe, dass ich nun einen Herzschrittmacher brauche, habe ich erstmal verzweifelt gedacht: warum ich?“, sagt Monique Pchalec. Doch ihre Ängste verschwanden schnell. Das war 1996, die Brandenburgerin war damals 18 Jahre alt und hatte gerade erfahren, dass sie an einem schweren angeborenen Herzfehler leidet. Kurz danach wurde ihr ein konventioneller Herzschrittmacher in der Bauchdecke implantiert. Doch alle zehn Jahre müssen die Geräte ausgewechselt werden.

Vor einer Woche wurde der 30-Jährigen als erstem Menschen weltweit im Deutschen Herzzentrum jetzt ein hochentwickelter Schrittmacher unter dem Schlüsselbein eingesetzt. CRT-D heißt das Gerät, das in einer silbernen Minibox steckt – und alles kann, „was das Herz begehrt“, wie es Felix Berger, Direktor der Klinik für angeborene Herzfehler, ausdrückt. Da Pchalecs Herzmuskel krankhaft verdickt ist und zudem unregelmäßig schlägt, fungiert das winzige Gerät mit drei Elektroden wie ein Defibrillator, Taktgeber und Messinstrument in einem. „Der Herzschrittmacher kontrolliert den Rhythmus, passt sich jede Sekunde an, kann Elektroschocks geben und errechnet seinen Energieaufwand selbst“, sagt Berger. Zudem würde er alle Daten speichern, die anschließend per Modem an die Kardiologen in der Klinik weitergegeben werden. Falls die Batterien schlapp machen oder ein Notfall eintritt– zum Beispiel Wasseransammlungen im Brustkorb –, piept das Gerät.

„Das ist eine echte Sensation“, sagt Berger, der den Wert des von Amerikanern entwickelten Schrittmachers auf 20 000 bis 25 000 Euro schätzt. Der Eingriff bei Monique Pchalek dauerte rund zwei Stunden. Am Tag nach der Operation konnte sie wieder nach Hause gehen.

Die Mutter einer vierjährigen Tochter wusste lange nichts von ihrem Herzfehler. Als Kind hatte man ihr nur gesagt, dass sie ein Loch im Herzen hätte. „Probleme hatte ich beim Sportmachen und anderen Anstrengungen – mir fehlte einfach die Luft“, sagt die Brandenburgerin.

Erst nach der Maueröffnung erfuhr sie durch einen Facharzt, dass ihr Herzfehler dringend behandelt werden müsse. Vor vier Jahren kam ihre Tochter Leonie zur Welt. „Eine Schwangerschaft ist eine große Anstrengung für einen Herzpatienten“, sagt Berger. Pchaleks Gesundheitszustand verschlechterte sich wieder. Laut Experten gehört sie zu einer kleinen Gruppe von Herzpatienten, bei denen der CRT-D deshalb sehr sinnvoll sei. In Deutschland leiden rund 1,5 Millionen Menschen an Herzbeschwerden, jährlich kommen in Europa 350 000 hinzu. „Mit dem neuartigen Herzschrittmacher fühlen sich 80 Prozent unserer Patienten nach ein paar Monaten sehr gut“, sagt der Kardiologe.

Für Monique Pchalek bleibt vom Eingriff lediglich eine kleine Narbe zurück. In drei Monaten wird sie noch einmal zur Kontrolle gehen. „Mir geht es gut“, sagt sie strahlend. Liva Haensel

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