Berlin : Das Unglück bei den Bauarbeiten für den Nord-Süd-Eisenbahntunnel

EVA SCHWEITZER

Mitten in der Nacht sackte plötzlich die Erde weg / Nach Unfall auf der Tunnelbaustelle brach in der Innenstadt der Verkehr zusammenVON EVA SCHWEITZERBERLIN.Chaos am Landwehrkanal: In die Tunnelbaustelle der Deutschen Bahn AG ist in der Nacht zu Donnerstag Wasser eingedrungen.Einer der gewaltigen Senkkästen drohte aus dem Gleichgewicht zu geraten.Die Feuerwehr pumpte deshalb weitere 30 000 Liter Wasser in den Kasten, um ihn zu stabilisieren.Der Bau des 3,7 Kilometer langen Bahntunnels wird durch den Einbruch sechs bis acht Wochen stocken, teilte die Bahn AG gestern mit.Menschen wurden nicht verletzt.Der Schaden geht in die Millionen.In der Innenstadt brach wegen der Sperrung der Kanaluferstraße der Verkehr zusammen. Mittwoch, halb zehn Uhr abends.Arbeiter auf der Tunnelbaustelle der Deutschen Bahn bemerken tief unter der Erde einen dünnen Wasserstrahl.Das Wasser dringt durch eine undichte Stelle in der Betonwand.Sicherheitshalber schickt die Bauleitung ihre Leute nach oben.Auch ein paar Werkzeuge werden hochgeschafft.Die Ingenieure beraten sich, was nun zu tun sei.Knapp zwei Stunden später sieht einer der Männer, daß das Erdreich am Schöneberger Ufer zusammensackt.Ein Trichter tut sich auf, schnell wird er größer.Dann ein zweiter.Nun wissen alle, daß Gefahr im Verzug ist.Eine Viertelstunde vor Mitternacht schrillt bei der Feuerwehr der Alarm, die dann sofort ausrückt. Kurz darauf heulen die roten Züge durch die Straßen.Acht Löschfahrzeuge mit 50 Feuerwehrleuten und ein Löschboot erreichen das Kanalufer, dazu 30 Männer vom Technischen Hilfswerk mit einem großen Lastkran.Scheinwerfer werden aufgestellt, Schläuche ausgerollt.Die Polizei sperrt das südliche Kanalufer ab.Um 2 Uhr nachts werfen die Feuerwehrmänner ihre Pumpen an.Die ganze Nacht fließt Wasser in den 25 000 Tonnen schweren Senkkasten, 3000 Kubikmeter pro Stunde. Im Morgengrauen sieht es am Landwehrkanal aus wie nach einem Meteoriteneinschlag.Die Krater sind nun metertief, Gesteinsbrocken liegen herum, auch Schlamm.Ein paar Techniker der Berliner Gas- und Wasserbetriebe sind eingetroffen und betrachten fassungslos den Schaden.Sie bereiten sich darauf vor, die nur 20 Meter entfernten Leitungen für Gas, Strom und Frischwasser zu unterbrechen, falls noch mehr von dem Baugrund einbricht - was nicht geschieht.Die BVG informiert ihre Fahrer, daß zwei Buslinien umgeleitet werden müssen. Um 6 Uhr früh bemerkt der Hubschrauber eines Privatsenders das Durcheinander.Alarmiert vom Radio, sammeln sich Journalisten und Fotografen an der Absperrung.Fernsehkameras werden aufgebaut.Der Einsatzleiter der Feuerwehr, der 56jährige Dieter Kastorff, vertröstet die Gruppe auf die Pressesprecherin der Deutschen Bahn, die aber nicht eintrifft.Mehrmals versucht er, sie per Handy zu erreichen.Die Potsdamer Straße ist inzwischen völlig verstopft.Die Polizei schickt Fußgänger zurück. Ein paar Bauarbeiter, weiß behelmt, protestieren an der Unglückstelle.An so etwas seien die ausländischen Billigarbeiter schuld, sagt einer von ihnen.Ute von Vellberg, die Pressesprecherin der Daimler-Benz-Tochter debis, die am gegenüberliegenden Ufer baut, kommt vorbei.Nein, debis sei nicht betroffen, die Unfallstelle seiweit genug vom debis-Bau entfernt, sagt sie."Vielleicht wird der Regionalbahnhof Potsdamer Platz nun etwas später fertig". Kurz nach 14 Uhr hören die erschöpften Feuerwehrmänner auf zu pumpen.Wasser aus dem Kanal strömt nach.Bulldozer beginnen, Sand in die Krater zu schieben.Danach wird das Gelände planiert.Inzwischen hat sich Umweltsenator Peter Strieder zu Wort gemeldet: Er vermutet Schlamperei.Michael Cramer von den Grünen sagt, der Tunnel sei "dem Ingenieur zu schwör". Am Abend stauen sich immer noch die Autos auf der Potsdamer Straße.Die Sperre am Ufer sollte heute früh aufgehoben werden.LESEN SIE ZUM THEMA AUCH:

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