Berlin : Das "Unrestaurant": Baustadträtin bremst Café in der Grolmanstraße

Cay Dobberke

Das "Café-Crêperie Haffar" an der Grolmanstraße / Ecke Pestalozzistraße wirkt mit rund 50 Sitzplätzen und der abwechslungsreichen Speisekarte wie ein Restaurant - und ist doch keines, weil das Bezirksamt die Erlaubnis verweigert. Der Anfang 1999 eröffnete Betrieb, in dem auch verpackte Lebensmittel verkauft werden, gilt nur als "Geschäft mit angeschlossenem Ausschank". Denn Bau- und Umweltstadträtin Beate Profé (Grüne) will nicht noch weitere Gaststätten in der Lokalmeile zulassen. Sie verweist auf Anwohnerbeschwerden über abendlichen Kneipenlärm.

"Unmöglich und absolut ungerechtfertigt", nennt das der Wirt Fadi Haffar. Denn die Einstufung als Laden bedeutet zum einen, dass er werktags nur bis 20 Uhr öffnen darf und sonntags gar nicht. Zudem müssen fast alle Speisen in seinem Zehlendorfer Restaurant "Gourmet Süd" zubereitet und zweimal täglich nach Charlottenburg gefahren werden, denn dort ist ihm der Einbau einer kompletten Küche untersagt. "Den Transporter habe ich mir eigens für 27 000 Mark angeschafft." Ein Dampf-Kochautomat wärmt die Gerichte schließlich auf.

Stadträtin Profé bleibt hart: Seit langem hätten Anwohner, auch vor Gericht, um ihre Nachtruhe gekämpft. Dabei ging es um drei Lokale - das inoffizielle Café gehörte nicht dazu. Erst, so Beate Profé, habe das außerhalb ihrer Zuständigkeit liegende Wirtschaftsamt den Freiluft-Ausschank nach 22 Uhr verboten. Dann habe sie zusammen mit der Industrie- und Handelskammer und der Hotel- und Gaststätteninnung ein "Clearing-Verfahren" gemäß der Lärmschutzverordnung organisiert. Seit Jahresbeginn gebe es einen Kompromiss: Die Gaststätten müssten werktags um 23 Uhr und an Wochenenden um 24 Uhr ihre Schankveranden schließen, neue Lokale dürften nicht öffnen. Dass Fadi Haffar in seinem Laden überhaupt Speisen anbieten darf, sei schon ein Zugeständnis.

Die Kritik des Wirts teilen dagegen sein Vermieter Henrich Oft und die Bezirks-CDU. Fraktionschef Klaus-Dieter Gröhler bemängelt, dass sich Beate Profé auf einen Bebauungsplan-Entwurf der ehemaligen rot-grünen Bezirksregierung berufe. Der Plan sei nie in der BVV beschlossen worden. Also handele es sich planungsrechtlich weiterhin um ein "Mischgebiet", in dem Lokale ausdrücklich gestattet seien.

Haffar setzt nun auf die Zeit nach der Bezirksfusion mit Wilmersdorf, also das kommende Jahr. Dann wird die CDU die absolute Mehrheit haben.

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