Berlin : Das virtuelle Klassenzimmer

Als erstes Bundesland startet Berlin an 20 Schulen ein Modellprojekt. Bildungssenator Klaus Böger will Computer-Wartung an Firmen vergeben

Rainer W. During

Berliner Kinder können bald direkt über das Internet lernen. Im Januar starten 20 Oberschulen mit dem Projekt „Lernen in Netzen“ – Berlin ist damit das erste Bundesland. Die Schulen benötigen für die Teilnahme kein eigenes Netzwerk, sondern nur einen Internetzugang. Schüler können ihre Hausaufgaben künftig direkt in den Computer eingeben und die Schulen sich untereinander austauschen. Das Lehrer-Online-Portal lo-net ist von der Grundschule bis zum Gymnasium nutzbar. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verläuft, sollen anschließend alle rund 1000 Berliner Schulen die virtuelle Unterrichtsplattform nutzen.

Zur aktuellen Diskussion um die teilweise mangelnde Wartung der inzwischen in allen Hauptstadt-Schulen vorhandenen Computer erklärte Senator Klaus Böger (SPD), dass man die Bildungsstätten mit den erforderlichen finanziellen Mitteln ausstatten wolle. Er lehne es ab, im 21. Jahrhundert neue Medienwarte an den Schulen zu schaffen, sagte Böger. Der Unterhalt der Computer sei keine Sache von Lehrern, sondern solle an mittelständische Unternehmen vergeben werden. Geklärt werden müsse noch, ob die erforderlichen Mittel den einzelnen Schulen direkt zugeteilt oder über einen Berliner Pool verwaltet werden.

Das vom Verein „Schulen ans Netz“ eingerichtete Portal wird bereits bundesweit auf freiwilliger Basis von rund 35000 Lehrkräften genutzt. Die neue, erweiterte Software erlaubt es den Pädagogen unter anderem, ohne Programmierkenntnisse eigene Kurse ins Netz zu stellen.

Das Portal soll ab Januar zunächst fachorientiert in den Bereichen Gesellschaftskunde (Erdkunde und Geschichte), Biologie, Englisch und Mathematik der neunten Klassen der teilnehmenden Schulen genutzt werden. Im folgenden Unterrichtsjahr ist dann eine fachübergreifende Erweiterung auf die zehnten Klassen vorgesehen. Berliner Oberschulen können sich bis Ende November für die Teilnahme an dem Pilotprojekt bewerben, das von der Technischen Universität evaluiert wird. Voraussetzung ist eine ausführliche Diskussion mit Schülern und Lehrern, damit das Projekt von allen Beteiligten getragen wird. Die Einweisung der Lehrkräfte erfolgt mit Unterstützung des Siemens-Konzerns.

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