Berlin : Das Volk am Präsidenten-Tisch

1400 Bürger speisen mit Horst Köhler auf dem Pariser Platz. Eine Herausforderung für Köche und Polizisten

Annette Kögel,Lars von Törne

Die Mitte Berlins verwandelt sich am Sonnabend in ein riesiges Freiluftrestaurant mit 164 Tischen: Mehr als 1400 Menschen aus ganz Deutschland speisen mit Bundespräsident Horst Köhler und einigen Prominenten an der „Tafel der Demokratie“ auf dem Pariser Platz. Der Tagesspiegel hat Tischkarten für 140 Leserinnen und Leser bereitgestellt. Ihnen allen will der Veranstalter, der Berliner Verein Werkstatt Deutschland, ermöglichen, bei einem Festmahl auf Tuchfühlung mit dem neuen Repräsentanten zu gehen.

Um die Sicherheit des Ehrengastes inmitten der Menschenmenge zu gewähren, sind die Behörden seit Tagen damit beschäftigt, jedes Risiko auszuschließen. So wurden alle Gäste und rund 400 Servicekräfte vom Bundes- und Landeskriminalamt daraufhin überprüft, ob sie polizeilich aufgefallen waren, wie Marek Rosyniak sagt, der beim Veranstalter für Sicherheitsfragen zuständig ist. Mit dem Festmahl will der Verein für mehr Bürgerbeteiligung eine alte Tradition neu beleben – die Einführung eines Staatsoberhaupts im Kreise der Bevölkerung bei Tische. Horst Köhler und seine Frau Eva betreten den Platz gegen 19.30 Uhr – dort werden sie unter anderem von unserer Leserin Claudia Hoefs begrüßt. Derweil zaubern Spitzenkoch Harald Wohlfahrt und sein Team in der Küche des „Tucher“. Servicekräfte des Hotels Maritim Pro Arte servieren dann Entenleberparfait, Gaisburger Marsch, Schwarzwälderkirsch-Roulade. Auf der Lieferliste des KaDeWe klang das gestern in Auszügen noch so: 100 Kilo Zwiebeln, 200 Kilo Kartoffeln, 750 Eier, 20 Liter Sahne, 45 Kilo Feine Erbsen.

Doch die Leute sollen nicht nur gemeinsam essen, sondern auch miteinander reden können. Über ihr Land, über ihre Visionen. Tagesspiegel-Leserin Claudia Hoefs, Anwältin in spe und Mutter, hat aus dem Ausland Ideen mitgebracht für ein „kinderfreundliches, jugendliches Deutschland“. Auch Leser Wolfgang Priewe vom Verein Werkhaus Antirost redet nicht, sondern tut etwas. Priewe weiß, dass Deutsche gern klagen – und andere Menschen nicht, obwohl es ihnen weit schlechter geht: Er organisiert ein Hilfsprojekt für Sierra Leone – und sitzt mit Horst Köhler am Tisch. Tagesspiegel-Leser Turgut Findikgil, in der Türkei geboren und längst deutscher Staatsbürger, wird auf der Bühne einen Toast sprechen zu den Leuten unterm Baldachin.

Für die Sicherheitsbehörden ist das durchwachsene Wetter übrigens von Vorteil: Wegen der Überdachung kann auf die sonst für Freiluftveranstaltungen üblichen Sicherheitsvorkehrungen des Luftraumes weitgehend verzichtet werden, sagt Projektleiter Rosyniak. „Von oben kann man gar nicht erkennen, wo Herr Köhler sitzt.“ Dessen Sitzplatz wird aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gemacht. Die Leibwächter des Bundeskriminalamtes werden den Präsidenten während des Dinners allemal im Blick behalten. Unterstützt werden sie von Mitarbeitern der Sicherheitsfirma „Flash Security“. Die führen bei jedem Gast doppelte Personen- und Ausweiskontrollen durch – und machen auch vor Prominenten nicht Halt, wie Rosyniak sagt: „Sandra Maischberger wird genauso überprüft wie jeder andere.“ Der Sender n-tv überträgt ab 20.10 Uhr. Klaus Riebschläger, Vorsitzender der Werkstatt Deutschland, berichtete gestern davon, wie viele Prominente jetzt plötzlich doch noch „schnell anfragen, ob sie nicht dabei sein können“. Doch es ist und bleibt ein Fest für Bürger.

DIE TAFEL

Das Festessen ist ein Projekt des Vereins Werkstatt Deutschland. Alle Akteure verzichten auf ihre Gage, die Kosten für die Infrastruktur tragen die Sponsoren wie Vattenfall Europe. Die Tagesspiegel-Leser sitzen an einem Extra-Tisch, Prominente gesellen sich dazu.

DER ZEITPLAN

Die geladenen Gäste werden nur von 18.30 Uhr bis 19.15 Uhr eingelassen. Später kommt Köhler durchs Tor dazu. Bis 22.15 Uhr wird diniert, danach flaniert.

DAS PROGRAMM

Ein bunter Mix. Erst treten die Schöneberger Sängerknaben auf, Eko Fresh und Valezka folgen mit einer Performance, dann kommen Yvonne Catterfeld, Tenor Tobey Wilson. Das Krakauer Kammer-Orchester hat extra ein neues Stück eingeübt.

DIE ABSPERRUNG

Der Pariser Platz in Mitte ist ab Sonnabend um 12 Uhr bis Sonntag früh gesperrt. Auch an der Behrenstraße und entlang der Wilhelmstraße werden Gitter aufgestellt. kög

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