Berlin : Das war das Wochenende: Berlin zwischen Baum und Borke, Briten und Botschaft

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Im strahlenden Licht der Sonntagssonne wurde es klar: Die von Senator Strieder freudig begrüßte heimische Fichte auf dem Breitscheidplatz ist ein fast gleichwertiger Ersatz für den erbärmlichen bayerischen Baum. Aber aufgesetzte Glanzlichter werden das grün-braune Spitzenmodell in den kommenden trüben Tagen schon noch schön dastehen lassen. Es sind am Wochenende auch wirklich wichtigere Dinge geschehen, die wir hier noch einmal kurz referieren.

Britische Botschaft gestürmt

Vier Monate, nachdem Königin Elisabeth gemessenen Schrittes ihr Privileg wahrgenommen hatte, die Britische Botschaft in Berlin zu eröffnen, kam das Volk. Zu Dudelsackklängen stürmten 7000 Berliner am Sonnabend den bunten und architektonisch verspielten Neubau in der Wilhelmstraße. Botschafter Sir Paul Lever hatte zwar großzügig zum Tag der Offenen Tür eingeladen, fühlte sich aber doch ein wenig überrumpelt. Als Gentleman gab er sich lässig geschlagen und versprach weitere Schauläufe.

Hausverbot für "Schnüffler"

Bundestagspräsident Thierse zeigte sich verschnupft: Dem Redakteur des SAT-1-Reports über Kokainspuren auf den Parlamentstoiletten, Ulrich Meyer, und dem Autor, Martin Lettmeyer, erteilte er Hausverbot für das Reichstagsgebäude. Das ebenfalls positiv getestete Abgeordnetenhaus verweigerte gegenüber der moralischen Definitionsmacht des Bundes die Linientreue. "Unser Haus ist ein offenes Haus", konterte stolz Präsident Führer.

Turner nach Berlin!

Eine friedliche Invasion der Fitten wird Berlin 2005 heimsuchen: Dann findet das Turnfest in Berlin statt. Der Deutsche Turnerbund kegelte bei der Vergabe die Mitbewerber, darunter Stuttgart, gegen die Hauptstadt aus. Berlin will sich der Wahl würdig erweisen und den Umbau des Olympiastadions rechtzeitig beenden.

SPD schiebt Schloss Riegel vor

Die Berliner SPD mag dem Monarchismus trotz zarter Andeutungen aus dem Volk keinen Raum geben. Im Parteitagsbeschluss vom Sonnabend wird allerdings nicht sozialdemokratisch argumentiert, sondern es heißt schlicht: Kein Geld in der Landeskasse. Ausführlicher beschäftigte man sich naheliegenderweise mit einem Programm gegen Rechts.

Charité-Bettenhaus wackelt

Noch sind es nur Planspiele, aber die haben es in sich. Im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses wird laut darüber nachgedacht, dem historischen Standort der Charité in Mitte die Krankenversorgung zu entziehen. Wenn dort nur noch geforscht würde, wäre das von der Politik ungeliebte, weil sanierungsbedürftige Bettenhaus überflüssig. Was sollen dazu die privaten Investoren sagen, mit denen Verwaltungsleiter Bernhard Motzkus verhandelt? Mediziner und Patienten wollen das nicht eben schöne, aber markante Hochhaus mitten in der Stadt sowieso behalten.

Mete-Eksi-Preis vergeben

Den nach dem 19-jährigen Opfer einer rassistischen Gewalttat benannte Mete-Eksi-Preis erhielten der "Tiergarten International Sport Club", in dem Jugendliche verschiedenste ethnischer Herkunft Basketball spielen, und das Köpenicker Jugendbündnis gegen Rechts.

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