Berlin : Das war das Wochenende: Der Rückblick

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Schlimme Dinge waren an diesem Wochenende zu vermelden. Man möchte die Augen davor verschließen, sich vor der Kälte in dieser Stadt im warmen Bett verkriechen und Harry Potter lesen. Aber die Dinge passieren - während andere fröhlich feiern. Wir berichteten von Diesem und Jenen, und wen es reut, etwas verpasst zu haben, kann es hier nachlesen.

Die Polizei verfolgte am Freitag einen kurdischen Flüchtling in eine Psychotherapiepraxis, in der er wegen seiner Hafttraumatisierung behandelt wird. Der 20-jährige Davut K. war mit einer gefälschten Umweltkarte erwischt worden und weggelaufen. Im Lauf verlor er seine Papiere, darunter den Terminzettel für die Therapie. Als Polizisten ihm gegen den Willen des Therapeuten in die Praxis folgten, stürzte er aus dem 2. Stock und erlitt eine schwere Rückenverletzung. Für die Beamten war die Verfolgung eine "nötige polizeiliche Maßnahme."

Bedeckt hält sich die Polizei auch im Fall eines Palästinensers, auf dessen Treptower Imbiss in der Nacht zu Sonnabend möglicherweise ein Brandanschlag verübt wurde. Der Mann wurde mit schweren Brandverletzungen am Tatort gefunden. Er war an einem Gitter festgekettet. Nachbarn berichten von "Drohungen" gegen den Imbissbesitzer. Die Polizei hat "keinen Hinweis, dass es sich um einen Anschlag handelt".

Zum Weglaufen braucht man ein Ziel. Die Bündnisgrünen wollen es nach Brandenburger Beispiel aufzeigen: Jetzt gibt es in Berlin die "Aktion Noteingang". Mit einem Aufkleber signalisieren Läden "Schutz vor rassistischen Übergriffen".

Das politische Parkett in Berlin war glatt: Gewollt am Freitagabend beim Presseball, wo Medienmenschen und Volksvertreter bis um 3 Uhr früh tanzten. Am Rande wollte sich ein Prüfstein dieser oft heiklen Allianz standfest zeigen: Jungjournalistin Nicole Leske begleitete ihren Mann, Außenminister Joseph Fischer, trotz Trennungsgerüchten. Aufs politische Glatteis begab sich der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen beim CDU-Parteitag: Während die NPD marschierte, hielt er die deutsche Leitkultur hoch gegen das Bestreben "die Linke hoffähig zu machen und die Rechte zu bekämpfen". Bundesvorsitzende Angela Merkel sekundierte: "Das rechte Spektrum ist nicht schlechter als das linke."

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