Berlin : „Das war ein Streich dummer Jungen“

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Vor der evangelischen ErlöserKirchengemeinde am Wikingerufer in Moabit stehen Eltern, die ihre Kinder aus der Kita abholen. Kopfschüttelnd blickt eine Frau auf den ausgebrannten schwarzen Peugeot am Straßenrand. Verschmorte Kabel hängen aus dem Amaturenbrett. Von den Sitzen sind nur Metallgerippe übrig geblieben. Es riecht nach verbranntem Gummi. „Ich finde das unfassbar“, sagt sie. Brennende Autos habe es hier noch nie gegeben, außer mal durch einen Kurzschluss. „Wahrscheinlich waren die Täter Nachahmer der Pariser Brandanschläge“, vermutet sie. „Ich glaube aber nicht, dass Moabit ein ähnliches Konfliktpotenzial hat.“ Dem stimmt auch Sebastian Birr zu, der mit seiner Familie in Moabit lebt. Das Wikingerufer sei gutbürgerlich, anders als der Beusselkiez, wo es Probleme gebe. „Die angezündeten Autos halte ich für einen Dumme-Jungen-Streich.“ Im Übrigen sei die Stimung in Paris auch von der französischen Regierung angeheizt worden. „So weit wird es in Berlin nicht kommen.“

Die Quitzowstraße ist auf der einen Seite gesäumt von Industriebaracken, auf der anderen stehen Altbauten. Vor einer Kfz-Werkstatt auf der Höhe der Wilhelmshavener Straße steht ein ausgebrannter Polo. Ein älteres Ehepaar aus Ex-Jugoslawien hält Moabit für eine unproblematische Wohngegend. „Unser Sohn ist 18 Jahre alt. Er ist mit Deutschen, Türken und Arabern befreundet. Da werden keine Unterschiede gemacht“, sagt die Frau. Pariser Verhältnisse kann sich auch Ilse Neumann nicht vorstellen. Aber die Rentnerin beobachtet immer mehr Vandalismus in ihrem Kiez. In der Havelberger Straße habe sie neulich einen Kleinlaster mit zertrümmerter Scheibe gesehen. „Da kann man schon Angst bekommen.“jj

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