Berlin : Das war Schau

Deutschland-Chef muss Stuhl bei Columbia-Film räumen

Matthias Oloew

Die Entscheidung hat ihn selber überrascht, „aber so etwas muss man sportlich sehen“, sagt Jürgen Schau, seit gestern Ex-Deutschland-Chef von Columbia-Tri- Star, der Filmfirma des Sony-Konzerns. Mittlerweile ist er wieder gut gelaunt. Das dürfte aber nicht so zu Pfingsten gewesen sein, als der Anruf aus Hollywood kam. Ungefähr so wird das Gespräch verlaufen sein: Jürgen, alter Freund, nimm’ es nicht persönlich, aber es ist Zeit für einen Wechsel. Du hast noch einen Vertrag bis 2005, den werden wir erfüllen, aber deinen Posten vergeben wir an Martin Bachmann. Du hast 24 Stunden Zeit, darüber nachzudenken.

Viel nachzudenken gab es für Jürgen Schau nicht. Er behält also seinen Vertrag bei Columbia, wird aber, bei gleichen Bezügen, Chef der Global Entertainment, einer kleinen Produktions-Tochter von Columbia mit Sitz in Potsdam. Gründe für die Entscheidung sind nicht bekannt. Schau, der in der Filmbranche geschätzt und omnipräsent war, will dem Haus verbunden bleiben. Kein böses Wort kommt über seine Lippen. Die von ihm ausgerichteten Filmpartys zählten zu den größten der Branche. Mit dem Umzug von Columbia nach Berlin kam auch mehr Glamour in die Stadt: Mel Gibson, Will Smith, Cameron Diaz waren nur einige der großen Namen, die unter seiner Ägide nach Berlin kamen und sich hier feiern ließen.

Kult waren Schaus Premieren-Moderationen, mal englisch, mal deutsch, immer sich überschlagend vor Aufregung und Freude. Nicht sehr rühmlich hingegen die Entscheidung, die deutsche Produktionssparte von Columbia-Film dichtzumachen. „Das hatte aber nichts mit der jetzigen Entscheidung zu tun“, sagt Schau.

Seinen Nachfolger Martin Bachmann kennt er sehr gut. Er hat ihn aufgebaut. Zuletzt arbeitete Bachmann direkt bei der Firmen- Mutter in Culver City, Kalifornien. Jetzt kehrt er als Chef für den deutschen Markt, dem wichtigsten nach Nord-Amerika, nach Berlin zurück. Er wird dort weitermachen, wo Jürgen Schau aufhörte, mit großen Premieren. Im Juli kommt zum Beispiel Arnold Schwarzenegger.

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