Berlin : Das war Silvester in Berlin: Dreifacher Mord in Neukölln

Jörn Hasselmann,Werner Schmidt

"So ein Blutbad habe ich schon lange nicht mehr gesehen." Manfred Vogt, Leiter der 4. Mordkommission, war gegen 4 Uhr gestern früh erschüttert, als er in Neukölln das Haus Elsenstraße 46 verließ. In einer Wohnung im dritten Stockwerk waren wenige Stunden zuvor drei Menschen ermordet worden - vor den Augen von vier zwei bis elf Jahre alten Kindern und einer 31-jährigen Frau. Alle befinden sich jetzt in einem Krisenzentrum, wo sie psychiatrisch betreut werden. Sie sind derzeit nicht vernehmungsfähig. Weitere Zeugen, die die beiden Täter gesehen haben, gibt es bisher nicht: Sie gingen möglicherweise im Taumel der Neujahrsfeiern unbeachtet ihrer Wege. Ein türkischer Nachbar hatte gegen 1 Uhr 40 die Polizei benachrichtigt, weil er aus der Wohnung nebenan Schreie und Geräusche hörte, die nichts mit Silvesterlärm zu tun hatten.

Die Tatwohnung wurde von einer 32-jährigen afghanischen Asylbewerberin gemietet, die zu den Opfern zählt. Es waren ihre Kinder, die die Bluttat mit ansehen mussten. Nach den bisherigen Ermittlungen der Mordkommission klingelten die beiden Täter gegen 1 Uhr 40 an der Wohnungstür. Geöffnet wurde offenbar vom 23-jährigen Cousin der Frau. An ihm stürmten die Täter vorbei, schossen dabei auf den jungen Mann sowie den 41 Jahre alten Onkel der Mieterin, die sich den Tätern in den Weg stellten. Auf beide - bereits tödlich getroffenen - Männer stachen die Täter noch mehrfach ein. Schließlich streckten sie noch die 32-jährige Mieterin mit Stichen nieder.

Eine 31 Jahre alte Besucherin dagegen wurde von den Tätern in der Wohnung ebensowenig beachtet, wie die Kinder. Nach dem dreifachen Mord flohen die Täter. Bisher wurden keine Zeugen gefunden, die gesehen haben, wie sie das Tathaus verließen. Warum die Mörder die Frau und die Kinder verschonten, ist der Mordkommission noch unklar. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Tathintergründe im persönlichen Bereich der 32-jährigen Ermordeten zu finden sind. Die Spuren am Tatort seien aber so umfangreich, dass es sicherlich noch einige Tage dauern werde, sie alle zu sichern, sagte Ermittler Vogt gestern.

Während die Kriminalpolizei ihre Arbeit in der Tatwohnung aufnahm, beobachteten einige Passanten am frühen Morgen das Geschehen vor dem achtstöckigen Neubau; es waren überwiegend mehr oder weniger angeheiterte Nachbarn. "Seitdem das Haus steht, ist da immer was los", berichtete einer von ihnen. Ein anderer sagte: "Es ist immer aufregend hier." Die Elsenstraße 46 ist kein 08/15-Sozialwohnungsbau, sondern architektonisch anspruchsvoll gestaltet. Ein Passant wollte beobachtet haben, dass der "Täter jung ist und heulend und blutverschmiert abgeführt wurde". Gesehen hatte der Mann allerdings, wie das älteste der Kinder zu einem Notarztwagen gebracht und dann in ein Krankenhaus transportiert wurde. Auf einem Balkon im ersten Stock des Hauses Nummer 46 wurde nach dem Unglück unverdrossen weiter das neue Jahr begossen. Unterdessen riegelten Mannschaftswagen der Polizei in Höhe Heidelberger und Harzer Straße die Elsenstraße ab, um Neugierige fernzuhalten. Derweil trafen immer mehr neutrale Polizeifahrzeuge mit Kripo-Spezialisten am Tatort ein.

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