Berlin : Das war Silvester in Berlin: Kurz vor Mitternacht wurde Herrn A. das Herz schwach

wie

Jahreswechsel im Rettungsdienst: Für die Mannschaften der 14 Notarzt- und 97 Rettungswagen in Berlin herrscht in der Silvesternacht der Ausnahmezustand. In der Silvesternacht rückten sie mehr als 900 Mal zu medizinischen Notfällen aus: von der Platzwunde bis zum Herzstillstand.

Auch für die Besatzung des Notarztwagens "NAW 1205" ist es eine anstrengende Schicht. Seit 8 Uhr früh haben Notarzt Jens Jäger und die Rettungssanitäter Lars Hennig und Dirk Herklotz in der Rettungsstelle im Krankenhaus Friedrichshain Bereitschaftsdienst. Schichtende ist am Neujahrsmorgen um 8 Uhr.

19.50 Uhr: Einsatzmeldung aus der Feuerwehr-Leitstelle: NAW 1205 wird zu einem Altenheim in Friedrichshain gerufen. Doch Notarzt Jens Jäger kann nicht mehr helfen. Als die Retter eintreffen, ist die 80-jährige Heimbewohnerin schon gestorben.

21.25 Uhr: Alarmfahrt nach Kreuzberg. Ein 60-Jähriger liegt leblos in seiner Wohnung. Jens Jäger bringt das Herz mit Elektroschocks wieder zum Schlagen. Mit künstlicher Beatmung wird der bewusstlose Patient ins Krankenhaus Friedrichshain auf die Intensivstation gebracht. Doch der Notarzt hat wenig Hoffung: "Das Gehirn war wahrscheinlich zu lange ohne Sauerstoff."

22.40 Uhr: Kurzer Spaziergang zum Döner-Imbiss an der Ecke. Jäger und seine Kollegen stärken sich für die nächsten Stunden.

23.57 Uhr: Neuer Einsatzort: Prenzlauer Berg. Wieder ist ein Herz schwach geworden. Herr A. hat Schmerzen in der Brust. Verengung der Herzkranzgefäße, diagnostiziert Jäger. Mit Verdacht auf Herzinfarkt wird der 61-Jährige auf die Trage gelegt.

0.05 Uhr: Mit Infusion und Sauerstoffmaske wird Herr A. ins Krankenhaus Friedrichshain gebracht. Der Patient kann schon wieder scherzen. Draußen böllert sich Berlin ins neue Jahr. Auf der Station für Innere Medizin stoßen Jäger und die Sanitäter mit den Schwestern an. Prosit Neujahr! In den Gläsern perlt alkoholfreier Sekt.

1.38 Uhr: NAW 1205 ist wieder unterwegs, diesmal in Neukölln. Eine 50-jährige Frau hat einen schweren Asthmaanfall erlitten. Familienangehörige erwarten die Retter bereits. Doch jede Hilfe kommt zu spät. Die Frau ist erstickt. Wiederbelebungsversuche bleiben erfolglos.

2.05 Uhr: Nur wenige Straßen weiter wartet der nächste Patient, ein junger Mann, der ebenfalls keine Luft mehr bekommt. Der Mann wird mit Sauerstoff und Infusion versorgt und in die Klinik gebracht.

3.50 Uhr: Ein Betrunkener ist vom Balkon seiner Wohnung aus dem zweiten Stock gestürzt. Kein Fall für den Notarzt: Der Mann hat keinen Kratzer und steht schon wieder - wenn auch auf schwankenden Beinen. Vorsorglich wird ein Rettungswagen angefordert, der ihn ins Krankenhaus bringt.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben