Berlin : Das war Spitze

Mit einer Matinee erinnerte die Jüdische Gemeinde gestern an Hans Rosenthal, der vor 20 Jahren starb

Matthias Oloew

Sie haben tatsächlich die originale „Das- war-Spitze“-Lampe wieder aufgetrieben. Irgendwo in den Tiefen der Requisite des ZDF stand sie herum und leuchtet jetzt, grün blinkend, auf der Bühne im Festsaal des Jüdischen Gemeindehauses in der Fasanenstraße. Im Foyer steht außerdem eine kleines Stück der berühmten Wabenwand – beides Erinnerungsstücke aus der legendären Fernsehshow „Dalli, Dalli“. Um aber an den zu erinnern, der die Sendung zu dem gemacht hat, was sie war – ein Quotenrenner, bei dem bis zu 50 Prozent der Zuschauer einschalteten –, sind sie am Sonntag zu einer Matinee zusammengekommen: Familie, Freunde, Weggefährten und Fans von Hans Rosenthal.

Vor 20 Jahren starb der beliebte Quizmaster. Wenn er nicht mehr da sei, hat er zu seinem Sohn Gert kurz vor seinem Tod gesagt, werde man sich bestimmt nicht mehr lange an ihn erinnern. Er habe schließlich keine bleibenden Werte geschaffen, wie Filme, die man auch später noch zeigen könne. Da hatte sich Rosenthal, der sonst immer einen sicheren Instinkt für alles besaß, was die Zuschauer erwarteten und wofür sie ihn liebten, gründlich getäuscht. Hunderte Gäste füllen den Festsaal und zählen auf, woran sie sich beim Stichwort Rosenthal erinnern. Allen voran der telegene Luftsprung, den Rosenthal unternahm, nachdem die grüne Lampe blinkte und er fragte: „Sie sind der Meinung, das war...“. „...Spitze!“ rief das Publikum im Studio. Rosenthal sprang jedes Mal.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, erinnert beim Stichwort Rosenthal an die von ihm praktizierte Streitkultur, „immer hinter verschlossenen Türen, und immer so, dass man sich danach noch die Hand geben konnte“. Rosenthal war jahrelang Vorsitzender des Parlaments der Jüdischen Gemeinde. „Es wäre schön, wenn Hans Rosenthal mit seiner Art auf die Jüdische Gemeinde von heute einwirken könne“, sagt Joffe mit Blick auf die zerstrittene Leitung. Ilja Richter liest danach aus den Memoiren Rosenthals die Passagen, in der er beschreibt, wie er als Erwachsener Schwimmen im Stadtbad Schöneberg lernt. Als Kind war ihm der Zutritt zu den städtischen Bädern verwehrt. Stattdessen musste der jüdische Junge Zwangsarbeit leisten und versteckte sich in einer Berliner Kleingartenkolonie vor der Deportation.

„Er hat es genossen, im Rampenlicht zu stehen, und so bekannt geworden zu sein“, sagt die Witwe Traudl Rosenthal, „weil er sich zuvor hat jahrelang verstecken müssen“. Sie freut sich und ist ehrlich überrascht, wie viele Gäste der Einladung der Jüdischen Gemeinde zur Gedenkmatinee gefolgt sind: die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz, Walter Momper und Eberhard Diepgen, der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte, Schauspieler Wolfgang Völz, Jürgen Wölffer von den Ku’damm- Bühnen und Anwalt Peter Raue, Vorsitzender des Vereins der Freunde der Nationalgalerie. Besonders gefreut hat sie sich aber über die Ansprachen von Horst Pillau und Curth Flatow.

Pillau bekennt, dass Hans Rosenthal der einzige Mensch sei, von dem er regelmäßig träume. So viele gemeinsame Erinnerungen verbinden ihn bis heute. Zum Beispiel: „Die Rückfahrt vom Theaterabend auf meiner Zündapp. Hans als Sozius, meine Mutter im Beiwagen, wo sie die Kasse festhält, die meistens relativ leer war.“ Oder der Anflug auf den Flugplatz Deggendorf. „Hans liebte es, in kleinen Orten aufzutreten und dort hinzufliegen. Auf die Anmeldung beim Tower gab es nicht die Koordinaten der Landebahn als Antwort, sondern: Dalli, dalli.“ Pillau schrieb für die Show kurze Theatersequenzen, „das Rosenthal-Team hält zusammen, bis heute“, sagt er.

Autor Curth Flatow, sagt stellvertretend für alle im Saal, dass Rosenthal ihm fehle: „Die Fernsehzuschauer hatten an den Donnerstagabenden keinen Star zu Hause, sondern einen Freund.“ Auf den Showmaster, immer im Dienst und immer in Eile, hielt er vor 20 Jahren die Trauerrede. „Als ich zur Bühne ging, hörte ich seine Stimme sagen: Sei nicht so lang, du bist die Schlussnummer.“ Das habe ihm beim Vortrag geholfen.

Am Ende der Matinee gibt es viel Applaus. Und auf der Bühne blinkt wieder die grüne Lampe.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar