Berlin : Das Wasser geht einfach nicht zurück

Im Oderbruch sind noch immer tausende Keller überschwemmt Mit Tauwetter droht neue Flut. Umweltministerin verspricht Millionenhilfe

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Seelow - Obwohl es nahezu in ganz Brandenburg seit drei Wochen nicht mehr geregnet oder geschneit hat, kämpfen zehntausende Mieter und Eigentümer weiterhin gegen das Wasser in den Kellern ihrer Häuser. Besonders betroffen von dem um einen Meter gestiegenen Grundwasserstand ist das 70 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegene Oderbruch. Hier klagen rund 2000 der 5000 Haushalte über vollgelaufene Keller. „Das trockene Wetter hat die Lage zwar etwas entspannt“, sagte der neue Oderbruch-Beauftragte der Landesregierung, Bruno Küpper, am Freitag in Seelow. „Aber die Menschen schimpfen zu Recht. Ob das Wasser statt 40 nur noch 30 Zentimeter hoch steht, macht für die Betroffenen keinen großen Unterschied.“

In manchen Orten wie Manschnow oder Golzow gibt es kaum ein trockenes Haus. Das Wasser macht nicht nur die Nutzung der Keller unmöglich. Es zerstört Heizungen und Waschmaschinen, kriecht in den Wänden bis in den Wohnbereich hinauf. Dort breitet sich der Schimmel aus.

Der zuständige Landrat Gernot Schmidt (SPD) kann den Menschen wenig Hoffnung auf ein kurzfristiges Ende des Binnenhochwassers machen. „Das Oderbruch gleicht durch die starken Niederschläge im vergangenen August und im November einem nassen Schwamm. Man kann es aber nicht auswringen, sondern nur über das an der Oberfläche seit 250 Jahren bestehende Grabensystem langsam entwässern. Nach unten fließt wegen der Tonschicht unter diesem Flussauenbecken nichts ab.“

Im schlechten Zustand der Gräben sehen viele Einwohner die Ursache für das nicht zurückgehende Wasser, das auf den Feldern und in Gärten in den letzten Frosttagen eine dicke Eisschicht gebildet hat. Landrat Schmidt gibt zu, dass manche Abschnitte schon seit den siebziger Jahren nicht mehr gepflegt wurden. „Der Gewässer- und Deichverband bekommt jetzt 1,3 Millionen Euro Soforthilfe“, versicherte Umweltministerin Anita Tack (Linke). Insgesamt stehen in den nächsten Jahren 13 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt für ein „lebenswertes Oderbruch“ bereit.

Mit Sorge schauen Experten auf die Pegelstände an der Alten Oder in Wriezen. Seit der Trockenlegung des Oderbruchs im 18. Jahrhundert nimmt der Flussarm das ganze Wasser aus den Gräben des Binnenlandes auf und trägt es in die sogenannte Strom-Oder. Am Freitag lag der Pegel in Wriezen bei 1,86 Meter, normal wären 1,03 Meter. Der bisherige Höchststand wurde am 17. Januar mit 2,60 Meter gemessen. Aber das Tauwetter im Riesengebirge und Niederschläge könnten die „große Oder“ wieder anschwellen lassen und neue Wassermassen ins Oderbruch bringen.

„Wir prüfen daher den Einsatz einer Hochleistungspumpe und suchen nach einem geeigneten Standort“, kündigte der Landesbeauftragte Küpper an. Landrat Schmidt blieb skeptisch. „Eine schnelle Lösung gibt es nicht, so dass sich die Menschen im Oderbruch auf ein Leben mit viel Wasser einstellen müssen“, sagte er. Viele Einwohner sind da schon weiter. Sie leben nicht mehr mit, sondern bereits im Wasser. Claus-Dieter Steyer

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