Berlin : Das wichtigste Element: Glaswände gegen den Verkehrslärm

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Für Matthias Franke vom Büro Seebauer, Wefers und Partner stand nach einer ersten Begutachtung des Louise-Schroeder-Platzes fest, dass hier ein schwieriger Spagat ansteht: Der Verkehrslärm ist so extrem, dass das gesamte Gelände praktisch keine Aufenthaltsqualität mehr hat. Aber durch konventionelle Lärmschutzwände oder noch dichtere Hecken rundherum würden die beiden Platzhälften noch mehr isoliert, und die Benutzer würden sich unsicher fühlen, vor allem im Dunkeln, und es könnte sich möglicherweise auch der Zuspruch aus dem Trinkermilieu verstärken.

Die Lösung der Planer:  Glaswände, die den Schall abhalten, dabei aber leicht und transparent wirken. Sie sollen aber nicht den Eindruck eines Schaufensters erzeugen, sondern zum Teil auch von Kletterpflanzen – beispielsweise Clematis – überwuchert werden, um einen Wechsel von Transparenz und Undurchsichtigkeit und auch Blickbeziehungen nach draußen zu schaffen.

Der eigentliche Witz des Konzepts von Seebauer/Wefers aber sind Solarmodule, die nicht nur über moderne LED-Leuchten nachts diese Wände illuminieren, sondern auch genug Strom liefern, um das Innere der Anlagen punktuell zu beleuchten – eine Idee, die bisher in Berlin noch nirgendwo ausprobiert wurde. So könnte der Louise-Schroeder-Platz nachts und in der dunklen Jahreszeit auch zum Blickfang für alle werden, die ihn zu Fuß oder per Fahrzeug passieren.

Die Glaswände sollen den Platz aber nicht komplett umgeben, sondern nur gegen die Mark- und die See- und die Osloer Straße abgrenzen, denn von dort geht der meiste Lärm aus. Als Ergänzung dieses Konzepts setzen die Planer in die beiden inneren Ecken auf der Südseite noch zwei kleine dreieckige Bauten, die zwei weitere Probleme lösen sollen: Für die Westhälfte ist ein kleiner, nach beiden Seiten offener Kiosk vorgesehen, an dem es Getränke und einen Imbiss geben soll, auf der Westseite soll eine Toilette mehr Sauberkeit auf dem ganzen Gelände schaffen. Auch die Nutzung als Wartestand wäre möglich.

An den Anlagen selbst wollen die Schöneberger Planer nur Retuschen vornehmen. Wichtiger ist ihnen, dass die vorhandenen Pflanzen wieder intensiver gepflegt und eventuell durch zusätzliche, bunt blühende Stauden ergänzt werden. Ein weiterer Teil des Konzepts sind schließlich neu gepflanzte Bäume, die den Platz optisch aufwerten und akustisch etwas gedämpfter gestalten könnten.

Der Platz, so schreibt Franke, solle „ein moderner öffentlicher Raum in der Tradition der nutzbaren Berliner Schmuckplätze“ werden. Er biete spielenden Kindern ebenso Möglichkeiten wie ruhesuchenden Bürgern aus der Nachbarschaft. An der historisch gewachsenen, klaren Gliederung der Anlage will er am liebsten nichts verändert sehen. Bernd Matthies

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