Berlin : Das wird der Knaller

Bei Treffern werden Böller gezündet. Wo kommen die eigentlich her?

Anne-Sophie Lang

„Dann macht es bumm“ – das sang in den 60ern schon Rekordtorjäger und „Bomber der Nation“ Gerd Müller. Bumm wird es auch am Freitagabend wieder in vielen Kiezen machen, wenn die Nationalmannschaft im Olympiastadion auf die Türkei trifft und unzählige Fußballfans hinterher mit Pyrotechnik feiern. Doch wo kommen die Knaller eigentlich her – zehn Monate nach dem Jahreswechsel? „Ich hab’ die Böller noch aufgehoben von letztem Silvester“, erzählt ein 14-Jähriger in Kreuzberg. Wie der Junge machen es viele Fußballfans: Sie leeren einfach ihre Kellerbestände. Es ist nicht verboten, Feuerwerkskörper nach Silvester aufzuheben – sie mitten im Jahr abzufeuern hingegen schon. „Wir werden die Leute aber erst einmal nur ansprechen“, kündigte ein Sprecher der Polizei an. Wer dann nicht aufhöre zu knallen und dabei andere gefährde, der müsse mit hohen Bußgeldern rechnen.

Oft wären die Böller, die die Fußballfans verwenden, nicht einmal Silvester erlaubt. „Wenn wir nach Länderspielen welche finden, haben die häufig kein BAM-Zeichen“, sagt ein Sprecher der Bundespolizei. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) kennzeichnet Pyrotechnik, die in Deutschland verwendet werden darf. Auf so genannte Polenböller trifft das nicht zu. Sie sind teilweise mit Industriesprengstoff gefüllt und neigen zu Fehlzündungen. Böllerfans decken sich trotzdem gerne auf Märkten hinter der Grenze ein; Zollbeamte beschlagnahmen die lauten Knaller vor allem im Dezember oft kistenweise. Sie werden in Polen ganzjährig verkauft.

Wer es darauf anlegt, bekommt derzeit auch in Berlin vereinzelt Feuerwerkskörper verkauft – unter der Hand, denn eigentlich dürften sie nur zwischen dem 28. und dem 31. Dezember vertrieben werden. Die Ordnungsämter kontrollieren Geschäfte nicht ganzjährig auf Pyrotechnik, dafür fehlt das Personal.

Bengalische Fackeln, die gerne in Stadien abgebrannt werden, gibt es hingegen völlig legal in Angelshops. Sie sind eigentlich als Notsignale gedacht und kosten etwa 13 Euro. Ins Stadion dürfen sie nicht; aber viele Fans wissen, wie leicht die Fackeln an den Ordnern vorbeigeschmuggelt werden können. Wer beim Zünden erwischt wird, erhält eine Strafanzeige und ein bundesweites Stadionverbot für drei Jahre. Andere Fußballfans basteln ihre Böller einfach gleich selbst – die drei Zutaten dafür haben viele im Haushaltsschrank. Anne-Sophie Lang

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