Berlin : Das zentrale Thema der Filmfestspiele - über die Treppe zum Berlinale-Palast

Harald Martenstein

Die 50. Berlinale hat endlich ihr zentrales Thema gefunden, es ist die Treppe vor dem Berlinale-Palast. Inzwischen sind so viele internationale Filmstars, renommierte Filmkritiker und leidenschaftliche Filmfans auf nämlicher Treppe gestürzt, dass sie sich ohne weiteres neben der Treppe von Odessa ("Panzerkreuzer Potemkin"!), der Spanischen Treppe in Rom (Fellini!) sowie der Wendeltreppe aus Hitchcocks "Vertigo" unter die unvergesslichen Treppen der Filmgeschichte einreihen kann.

Wie konnte es dazu kommen? Herr Debis erklärte vor einigen Jahren dem Architekten Renzo Piano, dass am Potsdamer Platz auch ein großes Filmfestival stattfindet. "Film, aha", sagte Herr Piano. "Ich war noch nie im Kino, ich komme einfach nicht dazu, troppo lavoro!" Herr Debis sagte: "Sie müssen da eine Treppe speziell für Filmstars entwerfen! Die sollen einen tollen Auftritt haben! Hauptdarsteller! Stars!" Herr Piano nickte und sagte zu seiner Sekretärin: "Besorg mir Kinokarten, Kleines. Ein Film von dem berühmtesten Regisseur der Welt, bitte!" Am gleichen Abend packte Herr Piano sein Geodreieck, seine Wasserwaage und seinen Sextanten ein, zum Abmessen, und schaute sich im Kino einen Filmstar an. Sie zeigten "E.T."

Der Potsdamer Platz hat eines mit dem alten Berlin gemeinsam, dem Berlin der Mauerzeit: Er ist geteilt. Früher gab es DDR und BRD, heute gibt es Debis und Sony. Genau wie bei der DDR und der BRD, so gibt es auch bei Debis und Sony Anhänger der einen und Anhänger der anderen Seite. Es gibt eine Debis-Identität und eine Sony-Identität. Statt einer Mauer verläuft zwischen den beiden Teilen ein innerstädtischer Highway.

Im Debis-Teil des Platzes gibt es Tafeln mit Orientierungskarten. Der Sony-Teil des Platzes kommt auf diesen Karten nur als eine graue Fläche vor, ohne Straßennamen, ohne Details. Genauso sah auf den alten DDR-Karten der Westteil von Berlin aus. Aber ein Pendant zu der Treppe, auf der alle Leute stürzen, hat es im alten Berlin nicht gegeben. Seien wir dankbar, dass die Sekretärin von Herrn Piano ihrem Chef keine Karte für "Jurassic Park" besorgt hat. Denn dann wären die Treppenstufen jetzt mindestens zwei Meter hoch, und unsere Probleme wären noch größer.

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