• Das Ziel der Rechten: der Bundestag Wie türkische Blätter über die Wahlen in Brandenburg und Sachsen berichten

Berlin : Das Ziel der Rechten: der Bundestag Wie türkische Blätter über die Wahlen in Brandenburg und Sachsen berichten

Suzan Gülfirat

Jedes Mal, wenn irgendwo in Europa rechte Parteien erstarken, schlagen türkischen Zeitungen Alarm. So, wie nach den Landtagswahlen in den Bundesländern Brandenburg und Sachsen. „Wem sollen wir mehr Glauben schenken?“, titelte am Mittwoch die Tageszeitung Milliyet zum Aufmacher ihrer Europa-Beilage. „Bundespräsident Horst Köhler sagt, es gebe keinen Grund zur Panik. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagt: ,Es stellt sich die beunruhigende Frage, ob da ein rechtsextremistischer parteipolitischer Nachwuchs heranwächst’.“ So artikulierte die Milliyet die Ratlosigkeit vieler Türken. Am Sonntag zuvor war „das eingetreten, was befürchtet wurde“ (Hürriyet). Bei den Wahlen in den beiden Bundesländern wurden, so die Türkiye, „Rechtsextremisten die eigentlichen Wahlsieger.“ „Ihr Ziel ist der Bundestag“ und „ihre Kassen werden sich mit Geld füllen“, prophezeite Milliyet.

Auch die anderen Zeitungen (Zaman, Tercüman, Özgür Politika, Evrensel) berichteten, dass die „NPD im sächsischen Parlament 13 Sitze gewonnen hat“. Fast alle zeigten den Spitzenkandidaten Holger Apfel in Großaufnahme. Diese Zeitungen, die vor allem in den europäischen Ländern mit einem hohen Anteil an türkischen Migranten verkauft werden, haben in ihrer Berichterstattung dennoch ein differenziertes Bild der Deutschen gezeichnet. Hürriyet zum Beispiel zeigte eine Aufnahme von den Demonstrationen gegen Neonazis in Dresden. „Die Bevölkerung reagierte sofort“, hieß es in der Bildzeile. Zudem zitierten die Blätter viele Menschen, die sich gegen Rechts geäußert hatten.

Am Freitag veröffentlichte die Milliyet „NPD-Alarm in der Hauptstadt“, nachdem die rechtsextreme Partei ihren später verbotenen Marsch durch Wedding angekündigt hatte. Am Sonnabend gaben die Zeitungen Entwarnung. „Den Rechtsextremisten ist die Freude (auf die Kundgebung) im Halse stecken geblieben“, schrieb die Türkiye.

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