Berlin : Daten gestohlen, Zahlung fingiert: Betrüger plündern Girokonten

Die Polizei verfolgt eine Bande, die Angaben auf Einzugsermächtigungen missbraucht

Tanja Buntrock

Anni W. (Name geändert) wollte nicht glauben, was sie sah. Auf ihrem Kontoauszug war eine Überweisung von 200 Euro vermerkt – an einen Herrn mit ausländischem Namen, den sie gar nicht kennt.

Sie erstattete Anzeige bei der Polizei. Die Ermittlungen ergaben, dass es derzeit eine Gruppe von Betrügern gibt, die über Einzugsermächtigungen an Daten und an Unterschriften gelangt. So wie im Fall Anni W.: Die Täter füllten ein Überweisungsformular mit dem Namen der Frau und ihrer Kontonummer aus, fälschten die Unterschrift und überwiesen 200 Euro auf das Konto des Empfängers mit dem ausländischen Namen.

An die Einzugsermächtigung sind die Betrüger offenbar über den Neuköllner Fitness-Club gekommen, bei dem Anni W. bis vor kurzem Mitglied war. „Dort habe ich damals bei der Anmeldung eine Einzugsermächtigung erteilt“, sagt sie. Die Frau hatte Glück: Weil sie den Betrug rechtzeitig bemerkte, konnte der Betrag von Bankangestellten zurückgebucht werden.

Seit einiger Zeit verfolgt die Kriminalpolizei eine Serie von Überweisungsbetrügereien, bei der die Täter nach dieser Masche vorgehen: „Uns liegen bislang mehr als 30 Fälle vor“, sagt der ermittelnde Oberkommissar. In sechs Fällen sind oder waren die Betrogenen Mitglied in dem Fitness-Club, den auch Anni W. besucht hat. Allerdings betont der Kripo-Beamte, dass damit noch nicht bewiesen ist, dass Mitarbeiter des Fitness-Clubs in den Betrug verwickelt sind. „Es kann genauso gut sein, dass die Täter sich anderweitig kennen und über irgendwelche Wege an die Einzugsermächtigungen und somit an die Daten der potenziellen Opfer geraten sind.“ In einigen Fällen seien die Betrüger auch über Mobilfunk-Verträge an die Einzugsermächtigungen gelangt.

Weil noch ermittelt wird, will die Kripo derzeit nicht viele Details preisgeben. Auch den Namen des Kontoinhabers, dem das Geld von Anni W. überwiesen worden ist, nennen die Ermittler nicht. Denn fest steht bislang lediglich: In allen Fällen sind die Beträge – meist um die 200 Euro – auf dieses eine Konto überwiesen worden. Der Empfänger ist ein Ausländer, der im Norden Berlins lebt, sich aber derzeit nicht in seiner Wohnung aufhält. „Es nützt uns momentan noch nichts, den Mann, der natürlich verdächtig ist, zu vernehmen. Er könnte abstreiten, etwas mit dem Betrug zu tun zu haben. Es ist ja erst einmal nicht verboten, dass einem Geld auf ein Konto überwiesen wird“, sagt der Kripo-Beamte.

Die Polizei will stattdessen an die Hintermänner kommen, die sich die Daten über die Einzugsermächtigungen beschafft und die Unterschriften fälscht. Die Kripo warnt jedermann ausdrücklich davor, Kontoauszüge noch in der Bank oder nahe des Kontoauszugdruckers wegzuwerfen. „So macht man es den Betrügern leicht. Die haben alle Daten und fälschen auch die Unterschrift, wenn sie keine Vorlage haben“, sagt der Oberkommissar. Eine weitere Methode der Banden: Mitunter angeln sich die Täter Überweisungsaufträge aus den Briefkästen der Banken und kommen so an alle Daten. Hier haben sie dann sogar noch die Vorlage für die Unterschrift des Kontoinhabers.

Ein schwacher Trost: Die meisten Betrüger werden geschnappt. Im Jahr 2002 hat die Berliner Polizei 1890 Fälle von „Kontoeröffnungs- und Überweisungsbetrug“ bearbeitet. Rund 86 Prozent davon konnten aufgeklärt werden.

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