Berlin : Dauerstress in der Leitstelle

Ein Besuch bei der Polizei am Chaos-Tag

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Am auffälligsten ist die Leinwand. Über sie flimmern Bilder aus dem Polizeihubschrauber, der über den ungewöhnlich leeren Stadtring fliegt. In der Verkehrsleitzentrale der Polizei an der Friesenstraße in Kreuzberg herrscht gespannte Ruhe. „Es gab aber auch bei uns ein Chaos, als wir die Nachricht erhielten“, sagt Polizeioberrat Martin Röhrig vom Zentralen Verkehrsdienst (ZVkD). Röhrig leitete am Mittwoch den Einsatz der Verkehrspolizei, war verantwortlich für die Sperrungen der Autobahn vom Kreuz Reinickendorf bis nach Zehlendorf: „In kürzester Zeit reichte der Stau auf der Avus bis zum Hüttenweg“, sagt Röhrig. Es gab für die Autos kein Vor und kein Zurück.

Das Überraschungsmoment bei der Verkehrspolizei dauerte jedoch nicht lange: Ursprünglich waren für den gestrigen Mittwoch umfangreiche Verkehrs und Geschwindigkeitskontrollen auf dem Stadtring geplant. Der Polizeihubschrauber sollte die Beamten am Boden unterstützen. Die Besatzung wartete auf die Anweisung zum Abflug – und wurde nun kurzerhand umgeleitet, nachdem das Unglück an der Halenseebrücke bekannt geworden war.

Die vorgesehenen Verkehrskontrollen wurden abgesagt, aber das Personal stand bereit, um die neue Aufgabe zu übernehmen. „Ohne diese Vorbereitungen hätten wir die Situation sicher nicht so schnell in den Griff bekommen“, gibt Martin Röhrig zu. Weder er noch seine Mitarbeiter können sich an einen Fall erinnern, bei dem durch eine technische Panne die gesamte Autobahn über Stunden gesperrt werden musste. Insgesamt 100 Verkehrspolizisten waren in der Stadt unterwegs, um die kilometerlangen Staus aufzulösen und die verstopften Straßen wieder freizubekommen.

Eine fast sterile Atmosphäre herrscht im warmen Dienstraum im zweiten Stock des Zentralen Verkehrsdienstes. Über ein halbes Dutzend Computermonitore flimmern Verkehrsnachrichten und Ausschnitte aus Stadtplänen. Verkehrsmeldungen für die Rundfunksender werden geschrieben, korrigiert und verschickt. Standleitungen zur Führerscheinstelle und zum Melderegister bestehen – ursprünglich sollten über sie Nachfragen während der geplanten Verkehrskontrolle erfolgen. Jetzt sind diese beiden Computer aber unbesetzt. Zwischendurch quäkt, für ungeübte Ohren fast unverständlich, ein Funkgerät.

Immer neue Informationen zur Verkehrslage laufen ein. Am Nachmittag gibt es im Berufsverkehr wieder erhebliche Behinderungen, die Autos stauen sich erneut. Mancherorts fließt der Verkehr aber besser als am Vormittag. Und so sind auch die Beamten in der Verkehrsleitstelle wieder etwas entspannter. weso

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