Berlin : Dauervorfahrt für Busse, Taxis und Radler

Das Busspuren-Konzept wird überarbeitet und vereinheitlicht: Auf Sonderstreifen in der Straßenmitte dürfen Autos dann nicht mehr fahren

Klaus Kurpjuweit

Jetzt kommt Ordnung in die Busstreifen-Verordnungen: Mal durften Autofahrer die nur nach 16 Uhr mit befahren, mal nur feiertags, mal gar nicht. Das soll anders werden. Busstreifen, die sich in der Mitte einer Straße befinden, bleiben künftig überall und rund um die Uhr Bussen, Taxis, Rettungsfahrzeugen und Radfahrern vorbehalten.

Das sehen Pläne der Stadtentwicklungsverwaltung vor, die das Busspurkonzept derzeit überarbeitet. Beginnen will man mit dem Straßenzug Kurfürstendamm – Tauentzienstraße – Bülowstraße, der gerade umgebaut wird und eine Busspur in Mittellage erhält. Auch die BVG unterstützt die Pläne für eine einheitliche Regelung.

Insgesamt gibt es 102 Kilometer Busspuren in Berlin, davon 17,4 Kilometer in Mittellage. Für die galt bisher nur in Berlin ein zeitlich begrenztes Autoverbot. Allein auf der Straße Unter den Linden sind die Busspuren bereits jetzt rund um die Uhr Bussen vorbehalten. Die Planer in der Behörde erhoffen sich von weiteren 24-Stunden-Busspuren auch, dass die Raser gebremst werden. Wenn es auch nachts beispielsweise auf der Raserpiste Kurfürstendamm nur eine Spur für die Autos gebe, würden die Fahrer aufhören, sich regelrechte Rennen zu liefern, so die Hoffnung. Sollten sie dafür die Busspur nutzen, müsste die Polizei eingreifen.

Busspuren am Fahrbahnrand sollen aber weiter zeitlich beschränkt bleiben, damit man die auch weiterhin als Parkplätze nutzen kann.

Derzeit werden ausgewiesene Busspuren oft auch dann von Autofahrern nicht befahren, wenn es zulässig wäre. Die entsprechenden Hinweisschilder am Straßenrand sind bei der Vorbeifahrt kaum zu entziffern. Denn die Gültigkeitszeiten sind unterschiedlich, zum Teil sogar im Verlauf einer Linie. Wenn der 148er Bus von Mitte kommend gen Süden fährt, hat er in Steglitz länger eine eigene Spur als in Tiergarten.

Unter dem ehemaligen Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) hätte es die 24-Stunden-Busspur nicht gegeben, der hatte die Ende 2003 abgeblockt. Damals hatte er den Bezirken vorgeschlagen, Busspuren einheitlich bis 20 Uhr gelten zu lassen. So würde man sich nicht nur den verlängerten Ladenöffnungszeiten anpassen, Taxis würden schneller voran kommen als Autos und für Autofahrer wäre die einheitliche Regelung einprägsamer. Wie seine Nachfolgerin Ingeborg Junge-Reyer das sieht, ist bisher noch nicht bekannt.

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