Berlin : Daumen raus Der Sommer kommt – für vier Tage

Gerd Nowakowski

freut sich, dass die BVG für unverhoffte Kontakte sorgt Danke, liebe BVG. Wir wollen uns mal ausnahmsweise nicht beschweren über grantige Busfahrer, sondern bedanken für die tätige Mithilfe bei der Anbahnung unverhoffter Begegnungen. Diese Art tätiger Nachbarschaftshilfe ist nicht hoch genug einzuschätzen. Wie langweilig wäre es, wenn der Bus an Wochenenden oder am Abend pünktlich käme oder gar Verspätung hätte? Dann würde uns mancher zwischenmenschliche Kontakt fehlen. So aber fuhr am gestrigen Sonntagmorgen in Spandau der Bus wieder einmal drei Minuten zu früh an der Haltestelle vorbei und verschwand in der Ferne. Dafür aber hielt postwendend ein mitleidiger Unternehmer, der mit seinem Wagen zu einem Termin unterwegs war, um den verhinderten Fahrgast mitzunehmen. Er ist nicht der Erste; die Hilfsbereitschaft ist bemerkenswert – und lehrreich. Wann hat man schon Gelegenheit, mit einem Porsche-Carrera-Fahrer über technische Details zu plaudern oder von einem hilfsbereiten Handwerker etwas über die Nöte des Kleingewerbes zu hören? So kommt man per Anhalter zwar nicht durch die Galaxis, aber immerhin durch die Stadt. Aber was geschieht jetzt mit dem BVG-Jahresticket?

„Blieb Wärme im August in der Ferne,

der September bringt sie auch nicht gerne.“

Kommt der Sommer trotz dieser Bauernregel zurück? Die Hoffnungen der Metereologen ruhen auf Hoch „Edda“. Laut Wetterdienst Meteomedia zieht es gerade vom Atlantik her in Richtung Mitteleuropa. Schon ab dem heutigen Montag soll es bis zu 20 Grad warm und vor allem trocken werden. Für Mittwoch und Donnerstag verspricht Meteomedia „Sonnenschein pur“ und Temperaturen von mehr als 25 Grad. Doch Achtung, die Freude währt nur kurz: Schon am Freitag soll ein Tief aus Nordwesten wieder vorherbstliche Abkühlung bringen. Wie lange es anhält und wie stark die Temperaturen sinken, ist noch unklar. Ob es als Ersatz für den ausgefallenen Hochsommer noch einen richtig heißen Spätsommer gibt, kann Meteomedia nicht voraussagen. Jede Prognose über einen längeren Zeitraum als fünf Tage bezeichnet Mitarbeiter Stefan Kreibohm als „Kaffeesatzleserei“ .

Axel Ott, Betriebsleiter des Strandbades Wannsee, sagt, der August sei bisher „der mieseste seit 34 Jahren“. Der Rückgang der Besucherzahlen habe sich aber „im Rahmen gehalten“, zumal sich die Stammkunden mit Saisonkarten nicht vom schlechten Wetter abschrecken ließen. „Die bringen ihre Decken mit und lesen Bücher im Strandkorb.“ Einige Stammgäste freuten sich sogar über die „erholsame Stille“. Klaus-Peter Joachimi vom Sommerbad Wuhlheide ist unzufrieden mit den „dürftigen letzten Wochen“. Schade sei auch, dass die Schule wieder begonnen habe, und die Kinder erst nachmittags kommen können. Am 28. August ist in den Sommerbädern offiziell Saisonschluss. Ob einige von ihnen jedoch schon früher geschlossen werden, wollen die Bäderbetriebe heute entscheiden.

Dreimal mehr Regen als sonst brachte der Juli – was wohl einzig Berlins Kinobetreiber freut. Die Bäume haben sich längst voll gesogen und leiden, wie auch die Rosen, unter Pilzbefall. Auf Biomärkten bekommt der Kunde beim Salatkauf derzeit Ackerschnecken gratis, und Gartenbesitzer ärgern sich über die Nacktschneckenplage. Nur die Miniermotte mag es nicht feucht. Deren Ausbreitung ist gebremst und liegt wieder auf Vorjahresniveau. Die braunen Ränder an den Ahornblättern wiederum sind vielfach Folge des Streusalz-Gebrauchs. Womöglich ist ja bald schon wieder gefühlter Winter. sle/kög

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