Berlin : David, wo bleibst du?

Im Café Neues Ufer warteten Bowie-Fans eine Nacht lang auf ihren Star, doch er kam nicht

Sven Schade

Von einem Fan-Club kann man bei den Berliner David-Bowie-Anhängern nicht sprechen. Elitär und geschlossen sind sie nämlich gar nicht. Eher spricht man von einer Fan-Gemeinde, die für alle offen ist. Prinzipiell darf jeder mit dabei sein. Hauptsache, man ist mit Liebe dem großen britischen Rocksänger verbunden. Vergangenen Montag war für die Berliner Bowie-Fans ein großer Tag. Ihr Idol war in der Stadt. Sein Konzert in der Max-Schmeling-Halle ausverkauft. Gut, wer da Kontakte hat.

„Wir helfen uns gegenseitig, falls jemand noch ein Ticket braucht und die Wucherpreise am Schwarzmarkt nicht zahlen kann", sagt Guido Hoffmann (36). Von Beruf ist er Elektro-Ingenieur. Und privat ist er mit Leib und Seele Bowie-Fan. Als er elf Jahre alt war, hat er in Köln bei der Stage-Tour den Pop-Artisten zum ersten Mal gesehen. Und der Montagabend war für ihn das 31. Bowie-Konzert in seinem Leben. Im Anschluss daran hatte Guido Hoffmann eine After-Show-Party arrangiert. Und zwar im Café Neues Ufer in Schöneberg. Eine legendäre Adresse. Dort nämlich gingen in früheren Zeiten die Rockgrößen Iggy Pop und David Bowie ein und aus.

Bowie lebte und arbeitete in West-Berlin von Frühjahr 1976 bis 1978. In dieser Zeit wohnte er in der Hauptstraße 155. „Erster Stock, links", sagt Hoffmann: „Ich kenne die Wohnung ziemlich genau, weil da später eine Wohngemeinschaft drin war, wo ich ein Mädchen gekannt und öfter besucht habe." Jedenfalls frühstückte David Bowie in seiner Berliner Zeit fast täglich zwei Häuser weiter in der Hauptstraße 157. Nämlich in dem Café, das damals unter dem Namen „Anderes Ufer" ein gemütlich-familiärer Treffpunkt für die emanzipierte schwul-lesbische Szene war. „Von hier aus hat sich Bowie morgens immer auf den Weg gemacht in die Studios in der Köthener Straße", berichtet Guido Hoffmann. Die Alben Low und Heroes seien beim Berliner Aufenthalt entstanden. Allerdings auch Bowies vielleicht peinlichster Auftritt als Schauspieler. Obwohl der Film „Just a Gigolo" prominent – unter anderem mit Marlene Dietrich – besetzt war, wurde er ein Riesen-Flop. Über die Stadt Berlin jedoch hat sich Bowie stets positiv geäußert.

Heute leitet Frank Wacker das Café Neues Ufer. Er hat es unter diesem Namen im Juni wiedereröffnet. „Schwerpunktmäßig für die gleiche Zielgruppe", meint Wacker und deutet auf die Regenbogenfarben, die an den Schaufenstern kleben: „Aber alle sind eingeladen und dürfen kommen." Hier liest man in der Zeitung, trinkt Kaffee oder sein Bier zum Feierabend. Ein gemütliches, ruhiges Lokal. Montagnacht allerdings war es proppenvoll und laut. Gut drei Dutzend Bowie-Fans trudelten nach Mitternacht ins Café Neues Ufer ein. Begeistert werfen sie sich ihre Eindrücke an den Kopf: „Das war das längste Konzert überhaupt auf der Tour. 32 Lieder hat er gespielt. In Köln letzten Freitag waren es gerade mal 21." Über den Berlin-Bonus, dass Bowie in Berlin schon etwas Besonderes ist, sind sich alle einig. Bowie hat mit „Rebel Rebel" und „New Killer Star" angefangen, dann hat er natürlich vom neuen Album Reality gespielt.

Echte Fans haben sogar noch die Set-Listen von Zürich, Mailand und Paris im Kopf und vergleichen jetzt, welche Lieder in welcher Reihenfolge gespielt wurden. Dann sprechen sie ein bisschen ehrfürchtig darüber, dass in diesem Café ihr Idol selbst einmal gesessen hat. Ein Bowie-Plakat liefert neuen Gesprächsstoff.

Eingeladen hatte die Fan-Gemeinde auf ihrer David-Bowie-Website. Beim Auftritt in Köln am letzten Freitag hatte Bowie angedeutet, dass er nach dem Berliner Konzert bei der legendären Adresse vorbeischauen wolle. Deshalb die After-Show-Party. Im Café haben die Fans bis in die frühen Morgenstunden hoffnungsvoll gesessen. Doch in diesem Punkt hat das Idol seine Fans ausnahmsweise mal enttäuscht.

www.davidbowie.de . Café Neues Ufer. Hauptstraße 157. 10827 Berlin-Schöneberg

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