DDR-Geschichte : "Gasometer sprengt man nicht!"

Vor 30 Jahren wurden die Gasometer in Prenzlauer Berg trotz Bürgerprotesten abgerissen. Eine Ausstellung erinnert an das Ende dieser Wahrzeichen des Bezirks.

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Die Sprengung der Gasometer 1984. Das Foto entstammt dem Bildband von Eberhard Klöppel „Berlin – Ecke Greifswalder“ (Lehmstedt Verlag).
Die Sprengung der Gasometer 1984. Das Foto entstammt dem Bildband von Eberhard Klöppel „Berlin – Ecke Greifswalder“ (Lehmstedt...Foto: Eberhard Klöppel/pa/dpa

Die DDR-Oberen hatten getan, was sie konnten, um den aufkeimenden Protest doch noch zu ersticken. Menschen, die ihnen als potenzielle Störer erschienen, wurden für alle Fälle kurzzeitig aus dem Verkehr gezogen. Andere, die den Ort des so umstrittenen Ereignisses fotografiert hatten, mussten ihre Filme vernichten. Wer schriftlich protestiert hatte, wurde zum Widerruf gedrängt – es gab viele erprobte Möglichkeiten der Repression.

„Gasometer sprengt man nicht“ – in diesem Satz, auf vielen Handzettel verteilt, bündelte sich der Unwillen gegen die für den 28. Juli 1984 geplante und dann auch so durchgezogene Maßnahme: Heute vor 30 Jahren wurde in Prenzlauer Berg das seit 1873 bestehende Gaswerk mit seinen drei markanten Gasometern gesprengt. 1981 war die Anlage stillgelegt worden, und wenngleich der damalige Bezirk in den Jahrzehnten zuvor schon ihretwegen alles andere als ein Luftkurort war, hatte sich das Gaswerk am Rande des S-Bahnrings zwischen den Stationen Greifswalder Straße und Prenzlauer Allee doch zu einem Wahrzeichen des Viertels entwickelt.

Die drei Gasometer sollen vor allem den sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel gestört haben, der sie als Hintergrund für sein Ernst-Thälmann-Denkmal unpassend fand. Es ist der namensstiftende Mittelpunkt des anstelle des Gaswerks geplanten, dann auch hochgezogenen Neubaugebiets mit 1300 Wohnungen, Kulturhaus, Planetarium und eben dem Denkmal.

Der Protest gegen den Abriss der alten Industrieanlage ist in der Stadt noch immer unvergessen, wurde nachträglich gern als erstes Aufbegehren gegen den DDR-Staat, als Menetekel für seinen Untergang fünf Jahre später interpretiert. Auch jetzt wird wieder mit einer Ausstellung an die Ereignisse von damals erinnert. „Gasometer sprengt man nicht!“ heißt der naheliegende Titel der Geschichtsschau, die der Verein Glashaus mit dem Bezirksamt Pankow an diesem Montag, 18 Uhr, in der Wabe, Danziger Straße 101 in Prenzlauer Berg, eröffnet. Zum Begleitprogramm gehört um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion, in der nach einer möglichen Parallele zwischen den damaligen Protesten und aktuellem Widerstand gegen neue Bebauungspläne gefragt wird.

Bis 31. August, Mi bis So 13 – 19 Uhr (Mehr Infos: www.brotfabrik-berlin.de)