DDR-Relikt : Palast der Republik ist fensterlos

Der Palast der Republik am Berliner Schlossplatz wird immer durchsichtiger. Vom Alexanderplatz aus schimmert durch das rostige Stahlgerüst bereits der Französische Dom auf dem Gendarmenmarkt.

Berlin - Die letzte der - für die Fassade des Palastes charakteristischen - bronzegetönten Scheiben sei gerade abgebaut worden, sagt Projektleiter Michael Möller. Insgesamt seien es über 3500 zwischen 30 und 300 Kilogramm schwere Teile gewesen, wovon jedoch viele bei der Demontage zersprangen.

Für die restlichen Fenster gibt es der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zufolge großes Interesse. Viele Museen und Künstler, aber auch Laubenbesitzer hätten sich um die Scheiben des einstigen DDR-Prestigebaus beworben, weiß Sprecherin Manuela Damianakis. "Wir werden gar nicht alle bedienen können." Allerdings rechne sie damit, dass viele kurzfristig verzichteten, denn die Scheiben können nirgendwo eingebaut werden. Dann gehen sie entzwei.

Abgeschlossen ist auch die Sandeinspülung in die Kellergeschosse des Gebäudes. Dazu wurde Sand aus dem brandenburgischen Umland mit Schiffen angefahren und dann mit Spreewasser vermischt. Mittels Pumpen gelangte das Gemisch in die schwarze Betonwanne, auf der das Gebäude steht. Dabei diente das Wasser jedoch nur als Transportmittel für den Sand, erläutert Möller. Es wurde später wieder herausgepumpt. Mit diesem Verfahren bliebe die Betonwanne intakt und könne bei Bedarf als Fundament oder auch nach der Entfernung des Sandes als Keller genutzt werden. Insgesamt stabilisieren immerhin 160.000 Tonnen Sand die 190 Meter lange und 90 Meter breite Betonwanne, so dass auch die Statik der umliegenden Gebäude nicht gefährdet ist.

Problematisch wurde der Abriss Mitte Juni, als trotz vorangegangener Asbestbeseitigung doch noch unter Betonplatten in Mörtelfugen Reste des ungesunden Baustoffes gefunden wurden, sagt Möller. Offenbar sei der Palast damals unter hohem Termindruck entstanden, so dass die Montage der Platten und das Arbeiten mit Spritzasbest vermutlich parallel verliefen.

Asbestbelastetes Fundament

Angesichts dieser Funde mussten umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden, welche die Arbeitsabläufe ungeheuer komplizieren. So müsse beim Abnehmen der Platten mit Unterdruck gearbeitet werden. Der ursprüngliche Termin - Ostern 2007 - kann Möller zufolge nicht gehalten werden. Allerdings gebe es noch keine genauen Erkenntnisse, wie viel Mörtelfugen Asbestreste aufweisen. Davon hängt es ab, um wie lange sich die Abrissarbeiten verzögern werden.

Der 1976 eröffnete Palast der Republik wurde 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen. Der Senat rechnet mit Abrisskosten in Höhe von zwölf Millionen Euro. Zunächst ist auf der Fläche eine Grünanlage geplant. Später soll dort ein Neubau in der Kubatur des vom SED-Regime gesprengten Stadtschlosses entstehen. Zeitplan und Finanzierung des Projekts sind aber noch offen. (Von Marion Schierz, ddp)

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